DER AAL
Ich war auf dem Wochenmarkt. Vor Ort wurden Aale geräuchert und ans
jubelnde Volk verkauft. Nebenan verscherbelte ein Gardinieur Vorhänge aus
sizilianischer Fertigung,- zu jeder gekauften Gardine gab es einen
Revolver gratis. Oft fanden die Käufer aber lediglich diverse Gräten
oder, vielleicht mit viel Glück, den ausgeräucherten Kopf eines dieser
Aale im Muster ihrer Gardine wieder, denn während der "Aaleur" seine
Früchte des Meeres kreuz und quer durch die heimatliche Luft schleuderte,
hingen die Gardinen des "Gardinieures" wie frohlockende Fischernetze
zumeist ihre Blöße zeigend und oft an diverse Stangen gezwängt sozusagen
frei im Wind, der lau blies und sie, bis auf die jäh eintreffenden
Aalsköpfe nur wenig schüttelte.Eine fernmündliche Beschwerde beim Ordnungsamt ließ auf das Recht auf freie Meinungsäußerung selbst in der Marktwirtschaft schließen, - trotz alledem bekam der Aalverkäufer Recht, weil er den meisten Umsatz machte. Gardinen gingen eh schlecht, besonders mit Fischköpfen im Muster, in dieser Hinsicht mußte die Industrie sowie auch der Gardinieur sich noch etwas einfallen lassen. Der Gardinieur postierte seinen Stand fortan neben einer Fritteuse, so daß er als Lieferant für hyiegienische Fettfilter endlich auch seinen Reibach machte. Flexibel muß man eben sein. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |