EIN ALIEN ERZÄHLT![]() picture-editing by: Ralf Wamers and Klaus Rikken Sehen Sie nur wie ich aussehe! Kann ich von dieser Erde sein, geboren, gelebt und schon gestorben? Beherrsche ich die Sprache in Wort und Schrift in all ihren winzigen Nuancen, in all ihren feinen und aberfeinsten seelischen Schattierungen des sich regenden Lebens? Vertreibe ich mir mitunter die Zeit mit Muße und Kurzweil, im Stadion oder im Schwimmbad? Ja, könnte ich das überhaupt, bei meinem abartigen extra-terristrischen Aussehen? Man würde mich doch sofort festnehmen um meiner Andersartigkeit auf wissenschaftlichem Wege Herr zu werden, dabei bin ich nicht mal behindert. Ich bin ein kerngesunder, hochpotenter Alien, der sich auf der Suche nach seiner Liebsten, versehentlich und eigentlich aus einer gewissen Verzweiflung heraus auf diesen Trabanten der Sonne verirrt hat. Schauen Sie nur genau hin. Ja, das ist mein Gesicht. Erinnern meine Augen nicht an die einer gefährlich dreinschauenden Raubkatze? Entstellt mich nicht schon dieser Blick? Erinnert meine Zunge nicht an die eines hechelnden Wolfes, der in der sibirischen Tundra halb schneeblind verzweifelt nach Schatten lechtzt, meine grob gefletschten Zähne nicht an das Kukident-gepflegte Gebiss meines Großvaters? Zeugt nicht mein spitz zulaufender Schädel allein von einer schweren Geburt? Habe ich mich vielleicht bloß verkleidet und weiß nichts mehr davon? Oder sind meine Gedanken am Ende nur dazu bestimmt, mir selber weiß zu machen, daß alles so wäre, wie ich es gerne hätte, um nur nicht zu sehen, wie es wirklich ist. Ich bin aber, verflucht nochmal, ein Alien und muß kämpfen, will ich meine Identität nicht verlieren. Darum pflege ich auch einige flüchtige Kontakte, (meist nur die notwendigsten), zu irdischem Geblüt, über die ich sehr froh bin, da sie mich, in meiner Einzigartigkeit, nicht alleine lassen, indem sie einen realistisch anmutenden Ansatz von Verständnis fast nicht mehr vortäuschen müssen. Natürlich bin ich müde und enttäuscht. Es ist auch oft so, daß meine Müdigkeit dazu geschaffen scheint, meine Enttäuschung erfolgreich zu unterdrücken. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |