ANMERKUNG



Ich komme aus Bitterfeld in Sachsen. Mein Name tut hier nichts zur Sache, obwohl ich Burgfeind heiße. Nebenbei bemerkt, ich liebe Burgen und Schlösser über alles. Gestern noch war ich zu Besuch auf Schloß Neuschwanstein in Bayern, bei diesem abgesoffenen Sonnenkönig. Der König war aber nicht zu Hause, wohl standen einige Bettler draußen vor dem großen Hauptportal. Die gehörten aber bestimmt nicht zur großen Adelsgesellschaft, die ich hier vermutete.
In einem unendlich langen wie hohen Flur standen in Reih und Glied hunderte von verrosteten Ritterrüstungen. "Bitte nicht berühren", stand groß auf einem Schild, das an einem Schild einer dieser wuchtigen Rittershülsen angebracht war. Es wurden auch Führungen angeboten. Ich kannte mich aber in der Geschichte des Mittelalters bestens aus, nein nein, ich brauchte an keiner dieser albernen Führungen teilzunehmen. Allein das Wort "Führung" läßt meinen Magen Tango tanzen. All diese Führer sind Lügner im wahrsten Sinne des Wortes. Was diese Führer beispielsweise über das Mittelalter erzählen, ist von Generation zu Generation überlieferter Stoff. Da stimmt nicht mal mehr die Hälfte. Das weiß ich, so wahr ich hier stehe. Zu unterschiedlich sind die Empfindungen der Menschen. Da gerät vieles schnell mal durcheinander. Wie es wirklich war im Mittelalter, das weiß kein Mensch mehr.

Vorgestern erst hatte sich der kleine Daniel, ein Sohn von Tante Anni, mit einem Taschenmesser in den Finger geschnitten. Gestern schon hieß es bei Onkel Willi in Duisburg, der Daniel hätte sich den kleinen Finger abgeschnitten, und als die Nachricht heute Morgen bei den Wenzels in Kevelaer eintraf, da fehlte dem Daniel schon die ganze Hand. - so ist das doch mit diesen Überlieferungen.

Um aber auf diese Führungen zurückzukommen, so stelle man sich jetzt bitte vor, daß die Führer, in meinem speziell geschilderten Fall, ja vom MITTELALTER! berichten. Wer‘s jetzt noch glaubt, der solle endlich selig werden.



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