DER AUTOR ÜBER SICH
Nun, Autoren im Internet gibt es mittlerweile viele.
Ein jeder dieser Autoren beansprucht für sich das Recht auf Einmaligkeit.
Das ist auch gut so.
Ich als Autor bin also einmalig, aber nicht nur als Autor sondern auch
als Mensch.
Während ich diese Zeilen hier schreibe, fällt mir diese meine Einmaligkeit
natürlich auf.
Ich bin, also muß ich irgendwann einmal geboren worden sein, also schreibe
ich.
Ich schreibe natürlich nicht von Kindesbeinen an, - zu Beginn meines Lebens
habe ich genauso wie alle anderen Autoren unendlich viele Windeln
vollgeschissen oder meinen Brei in Mutters Schoß gekotzt. Aber, wie gesagt,
das haben vermutlich nicht alleine die Autoren getan, nein, diese Tatsachen
betreffen wohl alle Menschen, die sich im zarten Säuglingsalter befinden,
ob Chinese, ob Engländer, ob Pygmäe, - sie alle haben geschissen und in Mutters
Schoß gekotzt, ein jeder auf seine unverwechselbare, einmalige Art allerdings.
Geboren wurde ich gegen Ende der fünfziger Jahre, obwohl ich erst ungefähr
vierzig Jahre alt bin. Das läßt sich damit erklären, daß in den fünfziger
Jahren mein Leben erst begann. Ich war in den fünfzigern also nicht fünfzig
Jahre alt, sondern mein Leben begann, wie jedes andere, einmalige Leben
mit meiner einmaligen Stunde null.
Ich war eine Frühgeburt, das steht fest und wog fast nichts.
Ich war so klein, daß die Hebamme Mühe hatte mich in der Nachgeburt zu
finden. Wenn ich damals einen Stift und ein Blatt Papier gehabt hätte, dann
hätte ich es natürlich sofort aufgeschrieben.
Im Brutkasten lernte ich die ersten, wichtigsten deutschen Vokabeln kennen.:
Wo itt den der kleine! Eiteitei, und Habbrrruuu!! Habbruuu!!, Worte, die
mich einschneidend prägten.
In der Grundschule lernte ich dann das Lesen und besonders das Schreiben.
Diktate fand ich von vorneherein langweilig. Ich ließ mir nicht gerne ein
Diktat aufzwängen, es war furchtbar, ich haßte das.
Meine Lehrer waren streng und oft unmenschlich. Sie verstanden mich nicht
und ich sie nicht. So kam es oft zu schweren Mißverständnissen mit bösen
Folgen.
Meine Eltern glaubten den Lehrern aufs Wort. Ich hatte also schlechte Karten,
was meine "Verteidigung" betraf.
Darüber schreiben konnte ich damals noch nicht, aber irgendwie ist doch vieles
hängen geblieben, irgendwo da oben in meinem kleinen, dicken Kopf.
Eine meiner frühen Leidenschaften war die Malerei. In diesem Medium konnte
ich mich endlich frei ausdrücken. Ich erschuf schnell eine Gegenwelt zur
realen, unmenschlichen oder stellte diese unmenschliche Welt in kleinen
Skizzenheftchen dar.
Ich zeichnete feuerspeiende Drachen oder riesenhafte Roboter, in deren
Köpfen Menschen saßen, die sie fernsteuerten. Ich ging damals sehr ins Detail.
Einer Gesamtansicht des Robotors folgten Skizzen, die beispielsweise die
Funktion der verschiedenen Gelenke des Monsters veranschaulichten.
Nach einiger Zeit entstand der Bauplan eines gewaltigen Metallmenschen, der
leider nie auf den Markt gekommen ist.
Es gab einen kleinsten, einen kleinen, einen großen, einen größten und einen
allergrößten Roboterbaukasten. Der kleinste Baukasten sollte 8000, - und
der allergrößte 35Millionen Mark kosten.
Nachdem der Roboter auf dem Zeichenbrett fertiggestellt war, verlagerte sich
mein Interesse auf Gänse mit Düsenantrieb, die das gemalene Korn
einer holländischen Getreidemühle zielgenau in die Höhlen dieser Tiere
schaffen sollten, - ja, die von Düsen getriebenen Tiere lebten in Höhlen
irgendwo im Wald. Warum, das weiß ich auch nicht mehr, - vielleicht wollte
ich damals auch in einer solchen Höhle wohnen.
Frühgeburten sind in der Regel kleinwüchsig und stehen in ihrer Entwicklung
gegenüber Normal- oder Spätgeborenen weit hinten zurück. So war es auch bei
mir, dachte ich zumindest, nachdem man mir das gesagt hatte.
Für sportliche Tätigkeiten, zum Beispiel in einem Verein, reichte es also
nicht, wie sich schnell herausstellte. Ein Fußballverein, dem ich kurz
angeschlossen war, konnte nichts mit mir anfangen. Ich konnte nicht gut
sprinten, also stellte man mich kurzerhand ins Tor und schoß mir die Bälle
reihenweise ins Gesicht, was zur Folge hatte, daß ich entweder auf der
Reservebank oder im Sprechzimmer eines Arztes landete.
Fußball ist ein Sport für Dumme, - das prägte sich schnell bei mir ein.
Ich konnte hervorragend auf zwei Fingern pfeifen. Mein Vater witterte das
musikalische Genie in mir und schickte mich auf die Musikschule.
Ich lernte die klassische Trompete, was sehr anstrengend war.
Der Musiklehrer kam aus München. Er kannte kein Pardon, was fehlerhaftes
Spielen betraf.
Nach einigen Jahren verlor ich das Interesse an diesem anstrengenden
klassischen Unterricht, nicht jedoch an der Musik. Ich wollte selber
Musik machen, meine Musik, immer schon. Gott sei Dank habe ich nach langer
Suche eine Band gefunden, in der ich »meine« Trompete spielen kann.
Ach so, ja, wie war das noch, wann habe ich angefangen, zu schreiben.
Das war glaube ich Anfang der Achtziger Jahre.
Nicht, daß ich auf einmal schreiben wollte, nein nein, ich mußte
plötzlich schreiben, der Impuls dazu kam von Innen.
Auch mit der Malerei hab ich damals wieder angefangen.
Manchmal habe ich eine Schreibphase, dann folgt oft eine Malphase.
Das geht so im ständigen Wechsel immer hin und her.
Wie gesagt, »meine« Trompete kann ich jetzt auch endlich spielen,
bei SCHLUFF JULL, schaut doch mal vorbei.
Ansonsten wünsche ich Euch viel Spaß in meinem kleinen Kiosk.
Über Kritiken und Anregungen jeder Art bin ich allzeit dankbar.
Schöne Grüße an alle von »SCHORSCH«
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