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Urlaub? Können wir uns leisten, klar. Steht ja im Tarifvertrag! Die Frau, der Mann, die Kinder werden dank der Sommerferien von ihren Zwängen wenigstens teilweise befreit. Wohin? Weiß nicht. Im Zweifelsfalle immer ins Schwimmbad. Die Peitsche raus und dann mit dem Volk ab an den virtuellen Strand von Barcelona. Diese schreckliche Zeit steht zweifelsfrei nun kurz bevor. Mal gut, daß Urlaub nur befristet ist. Die Schlampe möchte ja nach Mallorca, das Bier aus historischen Tonnen saufen. Ich würde mit den Kindern viel lieber ohne Sauerstoffgerät auf den Gipfel des Mount Everest klettern. Dann bekämen sie wenigstens annähernd ein Gefühl von Sicherheit im Umgang mit ihrer Motorik. Hermann war gerade mal kurz von der Decke aufgestanden, nachdem die Frau ihn mit ranzigem Schmieröl gegen gefährliche Wespenarten eingerieben hatte. (Dieses Schmieröl ist wie das Neopren der Urzeit, voller Energie, ein gewaltig dehnbarer Kunststoff, der vor den gröbsten Angriffen ausreichend Schutz gebietet). Gerade die Chlorbäder der Städte und Gemeinden sind ja die bevorzugten Brutgebiete der Spülwespe. Spülwespen setzen sich sehr gerne an Chlorsteinen ab, welche sie zwecks Stabilisierung ihrer Balance fast zwingend aufsuchen müssen. Die Spülwespe hat keinen Stachel. Den schneiden die Züchter ihnen sofort nach ihrer Geburt ab. So will sie denn, zeitlebens gestochen werden, jedenfalls bildet sie sich das ein, auch weil der Urgroßvater beruflich hauptsächlich mit Lebertran zu tun hatte. Er lebte in einem Einbaum vor der Küste Neufundlands und aß ausschließlich vom Wal. Die erfrischende Kühle polarer Seeluft zog viele Einbäumler in ihren Bann...der Rentner floss den Bach hinunter, direkt ins kalte Eismeer hinein. Da halfen auch keine Eiszapfen auf der Stirne, weder Wickeltücher noch vollgeschissene Windelträger sahen sich in der Lage hier helfend einzugreifen, obwohl selbst sie sehr leicht zu entsorgen waren. Der Opa ist weg, warum ist der Opa weg? Warum hat er nicht: AUF WIEDERSEHEN gesagt? Vielleicht, weils keines mehr geben wird? Die Schnuppe ist eh nur ein Stern, der vom Himmel fällt. Wir haben den Opa in Kur geschickt, weil für ihn jeder neue Morgen wie das alte Gestern war. Du weißt doch, daß ihm Hören und und Sehen vergangen ist, wegen der Fliegerbomben im Krieg, besonders wegen der einen, die in seinen Kopf einschlug und dann explodierte. Seither ist der Opa malle im Kopf und reagiert besonders in motorischer Hinsicht zeitweise hypersensibel. Der Opa kann nicht mehr die Wände hoch. Der Opa ist nicht mal mehr in der Lage, sich von Lampenschirm zu Lampenschirm zu hangeln. Der Opa ist ein schwerkranker Mann, wie geschaffen für den Sarg. Die Nägel dazu gabs im Baumarkt sogar mit Köpfchen. So glaube mir Daniela, wir mußten den Opa auf Eis legen. Seit drei Jahren reagiert er nicht mehr auf äußere Reize. Wir haben ihn so sehr geliebt, doch Agonie hat im Ertragen auch Grenzen. Die muß man sich halt setzen wie die Stecken der Pferde. Du hast doch 14 bange Jahre selbst mit ansehen müssen wie er am Tisch saß und sich nicht einmal gerührt hat. 20 Jahre hat er in die Leere gestarrt. Auf diesem Stuhl, an diesem Tisch hat er gesessen und sich vom kniehohen Moos ernährt, das seine Existenz dem feuchten Atem des Opas verdankte. Weißt du noch wie er einmal gesagt hat: Ich bin Gott da hege ich bald keine Zweifel mehr. Was ich denke, wird auf der Stelle wahr. Sehe ich nicht aus wie der Schmachtteufel darselbst? bin ich nicht dünn wie die versenkte Brust im Sumpf meiner Erfahrung? Was sehe ich, das ihr nicht seht, gefurcht, gespickt und gewaschen mit allen Wassern der Welt? sogar gewaschen? ja, sogar gewaschen Alles geht schief, nur ich kann es richten So sprecht denn nur ein Wort... Ich richte meisterlich verkehrt! Ich bin nicht sauber sondern rein. Das ist das Schöne am Gott - sein. Ich hauche die Tischplatte an und schon entsteht Leben Ich, der Erzeuger des Erzeugten erhalte mich wiederum am Leben, indem ich das von mir erzeugte Produkt, sozusagen in mich aufnehme. Aus Kotze wird Brot für die Welt! Utopie? Unbedingt! Utopien stecken ja auch immer neue Gesichtsfelder ab. Die größte Utopie scheint mir die vom Mensch - sein. ( Hermann erlebte wohl gerade die Auswirkungen eines Sonnenstichs am eigenen Leibe. Gegen die Spülwespe erwies sich Schmieröl als Wundermittel, zumal sich Inzest in der Verwandtschaft unglaublich schnell herumsprach. Hermann war kopfüber zischend in die Kühlbox vom Imbis gestürzt. Bald tollten beschwipste Schnapskirschen wie verbogene Schokostreusel euphorisch auf seinem Gesicht herum. Das kitzelte ihn wie ein Bauchpinselchen, das der gemeine Friseur nach der Schamenthaarung so gerne benutzte. Er mußte Lachen weil er urplötzlich begriff, daß er nicht von dieser Welt war. Dann wurde er steif und kalt. Der Notarzt hat dann den Rest besorgt. Man barg ihn erstarrt in einer harten Kruste aus Schokolade, zu Ostern als Hase, zu Weihnachten als Mann. Kinder der Grundschule West haben ihn aufpicken dürfen, zumindest die Schokolade, wobei sie zweifelsfrei erfuhren, daß sich hinter einer harten Schale im Grunde ein weicher Kern verbarg. An dieser Erkenntnis wurden sie alle sehr krank. Einige bekamen braune Flecken im Gesicht, der Arzt sprach sogar von akuter Streuselvergiftung. |