SCHON WIEDER SO EIN TAG![]() Artwork by ARTWORKS Der Wecker klingelt. Hans Baff, ergreift, da er seit Jahrzehnten schon keinen Schlaf mehr findet, sofort die Initiative, wedelt wild mit der Hand auf dem Nachtkonsölchen herum, als seien ihre dicht behaarten Finger die Gliedmaßen einer Vogelspinne und erstickt gerade jetzt, in diesem so heiligen Augenblick, das elende Gebrüll des Weckers, demonstrativ, durch einen gewichtigen Faustschlag. Baff weiß, das er nun bald hinaus in die weite Welt muß. Auf diesen Augenblick hat er die ganze Nacht gewartet, wie jede Nacht er dies halt seit Jahrzehnten so handhabt, weil er nichts Anderes kennt, als hinaus zu müssen. Baff weiß auch, das, nachdem er sich derart erfolgreich gegen sein Erwachen zur Wehr gesetzt hat, dies in der Regel nur ein Erfolg von kurzer Dauer sein kann. Gerade einmal sechs Minuten werden vergehen, bis das Gebrüll dieser Höllenmaschine ihn erneut aufs Scheußlichste an den soeben begonnenen Tag ermahnen wird, für den er im Grunde doch gar nichts kann. Aber wer will schon für etwas können, für das er gar nicht verantwortlich ist. Schließlich ist Baff einfach nur Baff und Baff nicht der Tag! Während dieser ihm verbleibenden sechs Minuten, versucht er nun, ganz bewußt zur ersehnten Ruhe zu gelangen, und zwar, indem er die Sekunden seiner so gewonnenen Freiheit quasi zählt. Jetzt wird ihm klar: NOCH ist er frei, doch sobald er auch nur seinen kleinen Zeh auf den Teppich setzt, wird er tun müssen, was man von ihm verlangt. So genießt er denn ganz offensichtlich die kurzen Augenblicke scheinbarer Auflehnung, welche sein Leben so lebenswert erscheinen lassen. Wie ihn das quält! Hans Baff ist, so gesehen, halt Realist. Erst Gott schuf die gefährliche Verallgemeinerung, und sie stimmte, solange man an ihn glaubte. Ihm in dieser Hinsicht etwas vormachen zu wollen, wäre müßig, auch weil hinlänglich bekannt ist, das gerade er die Anderen in seiner Not aufs Gröbste verschaukelt, nur weil er meint, dem Erlöser bis aufs Blut treu bleiben zu müssen, ihn erlösen zu müssen. Das kann er nicht. Danach steht ihm auch gar nicht der Sinn! Priester möchte er nämlich nicht sein, er aber, er muß, weil er es sich nicht erlauben kann, seinen Gott, der scheinbar fröhlich auf seiner Schulter hockt, zu erkennen. Für ihn ist jedwede Form von Erkenntnis Hoch - Verrat. |