BETRACHTUNG
Auf dem gutbesuchten Friedhof stand ein Kreuz neben dem anderen, dicht an dicht. Oh wie schien der kalte Vollmond süß auf diese Szenerie hinab. »Wasn das fürn Gedränge?«, fragt ein Mann, ganz schwarz ist der bekleidet» - man möchte bald anzunehmen geneigt sein, daß es mehr Tote als Lebende gibt« . »Da haben Sie durchaus recht«, sagt ein anderer, und noch einer meint besonders treffend: »Ja wo kommen wir eigentlich hin wenn die uns alle wegsterben wie die Fliegen?!« »Na ja«, meint ein vierter einwenden zu müssen, - »wenigstens liegen sie nicht nutzlos rum, also, äh, ökologisch gesehen natürlich.« »Kleinvieh macht auch Mist, bitte bedenken Sie das«, grunzt der erste und hält sich vor Lachen den Bauch, daß überdies ein Uhu flatternd sich entfernen muß. »Sind Sie gegen den Tod?«, fragt der zweite plötzlich schüchtern. »Wo denken Sie hin junger Mann!«, gibt der erste forsch zurück, - »ich bin nur gegen diesen«. »Ja meinen Sie denn, daß die nochmal aufstehen werden?«, sagt der zweite. »Der hat die Bibel nicht gelesen!«, wirft der erste ein, - »Klar wie Buttermilch, daß die nochmal aufstehen, irgendwann einmal, Tag X, können Sie alles nachlesen, - ach, haben Sie vielleicht die genaue Zeit?« »Viertel vor Drei in der Früh«,krächtzt der zweite. »Oje, so spät schon?, tja, tut mir außerordentlich leid, aber ich muß jetzt wieder zurück«, erwiedert der erste, und seine Stimme ist so seltsam fad dabei, fast weich, fast nebligtrüb wie die Luft der nahen Umgebung. Da wirft auch der zweite seinen Mantel von sich, und auch der dritte streift den Fetzen ab. Dem vierten wird im Angesicht der drei Skelette übel wie selten. Tschüß dann, bis demnächst, flüsterts sachte von wer weiß woher. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |