BRAUSEWINDHermann Brausewind ist ein flotter Typ. Sein Auto fährt zweihundertzehn, und seine Freundin wechselt er fast jeden Tag. Hygiene liegt ihm wie man liest besonders am Herzen. Man könnte aus seiner Toilette verdorbene Suppe essen, ohne davon krank zu werden; man könnte in seinem Kühlschrank schlafen, ohne dabei zu erfrieren. Hermann Brausewind steht täglich mindestens fünf Stunden unter der Dusche. Nach jeder Dusche wird selbstverständlich erst mal gründlich gebadet, - nach dem Bad vierstündiges Fittnestraining, - Streckbank, Daumenschrauben, etc.. Nach dem Training erwacht gewöhnlich sein Geschlecht, und wehe wenn seine Freundin jetzt nicht anwesend ist! Nach dem Akt kurzes Räkeln, dann hat geschlafen zu werden. Sechs Uhr in der Früh, - scheußliches Weckergebrüll, Morgenandacht, kurze Beichte. Frühstückszeit!, - spätestens um sieben Uhr hat der Kaffee zu riechen. Die Freundin erscheint heute, Gott sei Dank, pünktlich. Brausewind prüft das Ei, findet es zu hart und wirft es gegen die Wand. Die Freundin ist wie immer tief betroffen. Brausewind schreit: "Tu nicht so, hopp hopp, bring mir ein anderes!" Die Freundin erfüllt ihm um der Liebe willen diesen Wunsch. Schon dreißig Sekunden später darf Brausewind das zweite Ei prüfen: Na, das ist aber jetzt ein bischen arg weich! Auch dieses Ei findet ein tragisches Ende an der Wand. Die Freundin weiß auch nicht, warum sie immer alles falsch macht, sie ist eben nicht sehr geschickt in häuslichen Dingen. Ihre Erfüllung sieht sie eben eher im Erotischen.Brausewind findet das im Grunde ja auch nicht schlecht; aber sie könnte sich doch wenigstens einmal in der Woche in der Verrichtung häuslicher Dinge schulen lassen, dann hätten sie nicht jeden Morgen das Palaver. Die Freundin will es einfach nicht einsehen; dabei ist sie nicht einmal ein sonderlich dummes Mädchen, nein, sie ist ein ganz absonderlich dummes Mädchen, halb Kind noch, halb Hausfrau erst. Diesen Mangel an Erfahrung will Brausewind ihr aber nicht übel ankreiden. Sie ist ja noch so jung! Ha!, vor vielen Jahren war ich auch nicht besser liebes Kind. Ich verwechselte Spinat mit Pferdemist, lief sinnlos herum und wußte zudem nicht, wie mein leben sich noch entwickeln würde....zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |