Offener Brief an den König von Südafrika



Anmerkung des Verfassers:

Den Einfall zu dieser Geschichte hatte ich im Juni 1986, als aufgrund der Rassenkonflikte in Südafrika die Regierung den Ausnahmezustand über das Land verhängte. Auch gab es noch den kalten Krieg, das »böse« Russland und die DDR.


Lieber König von Südafrika!

Ich darf Ihnen zur Verhängung des Ausnahmezustandes die allerherzlichsten Glückwünsche aussprechen, - auch im Namen meiner Frau Agathe sowie unseres Buttlers, dem Neger Bong Thau aus Ghana, der übrigens ein ausgezeichneter Staubsauger ist. Auch unsere Familie ist über die neuerliche Attentatswelle der schwarzen Bevölkerung arg bestürzt, zeigt sie uns doch nur allzu deutlich, daß das Wilde im Neger nicht auszurotten ist. Unser Bong Thau hingegen macht uns in dieser Hinsicht keinerlei Beschwerden. Er frißt die Abfälle wie wir sie ihm vor die Füße werfen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, bedankt sich für jede Kleinigkeit auf Händen und Füßen und läßt uns darüber hinaus unsere wahre Größe spüren, auf die wir nur schwer verzichten können, da ja die Nahrung der Seele aus der Minderwertigkeit des Schwachen geschöpft wird.Gott sei Dank hat ja gerade der Neger eine sehr auffällige Hautfarbe. So ist er natürlich und eindeutig von der echten Menschlichkeit ausgeschlossen, die Ihre Politik so wesentlich macht. Nun, wir können durchaus verstehen, daß der Neger unmöglich zu demokratischem Handeln fähig werden wird, denn dazu müßte er doch zunächst seine Hautfarbe grundlegend verändern, zum Beispiel unter Zuhilfenahme der überall im Handel befindlichen Schminkartikel, - die modebewußte Frau von heute tut ja auch nichts anderes, - indem sie nämlich Mensch wird durch den unerträglichen Gestank diverser kölnisch - Wassers. Wissen Sie, Herr König von Südafrika, ja wissen Sie, daß der Trend hier in Deutschland eindeutig zum Neger tendiert?, - es wimmelt nur so von Bräunungsstudios! Man knallt sich unter die Bank und tanzt am Ende »Hulla-Hulla«, was?! Das muß natürlich Angst machen. Wir in Deutschland bemühen uns nicht zuletzt aus diesem Grunde seit Jahren schon um eine exakte Definition des Begriffes
»Feind«, - und wir beneiden Sie insgeheim um die vielen Neger, die ja, da sie in der Überzahl sind, das tragikkomische Ringen um die Sichtbarmachung der unsichtbaren Übeltäter beinahe überflüssig machen. Was sollen wir da machen:
Wir halten uns an unsere amerikanischen Verbündeten, in der Hoffnung schwelgend, der vom Westen proklamierte Russe als Idealfeind wäre es auch wirklich. Dieser ideologische Kuchen schmeckt aber nach vermoderten Baumstümpfen. Nun, wir haben gelernt davon zu fressen, - darum müssen wir auch so irre reden. In diesem Sinne verbleibe ich.

Hochachtungsvoll

Ein Autor



zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte