K U N T E R B U N T



Recht bunt ist das Land in mir. Zwei leuchtendrote Sonnen schmücken dort das Firmament, kein Fremder ahnt auch nur von ihrer Existenz, außer wenn ich mich schäme vielleicht.

Die Straßen meines Landes enden, so wahr ich hier stehe, irgendwo tief unten in meinen Zehenspitzen. Ob zu meinen Fingern auch Straßen führen, kann ich allerdings nicht sagen, obwohl ein erst vor kurzem angefertigtes Röntgenbild meines linken Unterarmes, wenn auch undeutlich, durchaus Straßenähnliche Strukturen erkennen läßt.

Ich bin ein lebensbejahender, alles verzeihender Mensch; so mögen mir die Bewohner meines Landes bitte auch verzeihen, daß Verkehr auf meinen Straßen auf Grund meiner täglichen Aktivität, leider nur des Nachts möglich ist, wenn ich waagerecht ausgestreckt in meinem warmen Bett liege. Aber ich glaube, daß wir uns mit der Zeit in idealer Weise zu ergänzen gelernt haben.

Ich lasse diesem eh nachtaktiven Land zur rechten Zeit die volle Freiheit. So möge es mich denn am Tage bitte auch in Ruhe lassen.

Natürlich mache selbst ich Fehler, natürlich kann es geschehen, daß ich zu später Stunde eine Landesweite Massenkarambolage in mir verursache, aber man wird ja wohl schließlich noch seinen Harndrang stillen dürfen.

Dafür quälen mich die Bewohner meines Landes auch manchmal am Tage, ich weiß ja nicht, wieviele unschuldige Menschen ich mit jedem nächtlichen Schritt zur Toillette in den Tod reiße. Oft überkommt mich auch am Tage die Vision von berstenden Windschutzscheiben, einstürzenden Brücken und hilflosen Kreaturen, die in alle Winde verstreut am Boden liegen.

Selbst ein warmer Furz läßt mich zur Bibel greifen, aber das ist leichter gesagt als getan. (Ein warmer Furz macht ja oft und gerne benommen).



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