BÜTTGENWALD
In Büttgenwald diesem kleinen Nest, irgendwo zwischen Hamburg und
München gelegen, kann man, wenn man nicht gerade auf den Kopf
gefallen ist, eine ganze Menge erleben. Man darf aber um Himmelswillen
nicht dumm sein oder die Sonderschule besucht haben, dann erlebt
man in Büttgenwald nichts, rein gar nichts. Warum das so ist, kann
kein Mensch sagen, nicht mal ein Büttgenwalder vermag dieses Rätsel
zu lösen. In Büttgenwald gibt es nur einen Kindergarten und eine
Sonderschule, zwei öffentliche Einrichtungen, die jeder Büttgenwalder
besucht hat oder noch besucht. Das ist schon seit Jahrhunderten so und
wird auch wohl immer so bleiben. In dem kleinen Ort gibt es auch
keine Arbeit, es reicht völlig, wenn man in den Kindergarten und
anschließend zwei Jahre zur Sonderschule gegangen ist. Nach
erfolgreichem Abschluß schlägt man sein Lager entweder untem am Rhein oder
in der Bahnhofstoilette auf, wo es im Winter wärmer ist, obwohl es
dort ganzjährig stinkt. Der kontaktfreudige Büttgenwalder Charmeur
findet gerade auf der Damentoilette ausreichend Gelegenheit zum
aufregenden Plausch, während es der am Rhein Lagernde schwer hat, sich
wegen des Überangebotes an Brücken-Graffitis für eine Tapete für die
Ewigkeit, ein schönes Heim zu entscheiden. Seinen Lebensunterhalt
kann man sich schön mit Diebstahl, Raub, schwerem Raub, mörderischer
Erpressung oder »Totschlag mit Verletzung« verdienen. Vollendeter
Mord ?, kommt nicht in Frage, auf gar keinen Fall, - in Büttgenwald
ist man strikt gegen die Todesstrafe; man schlägt die wehrlosen Opfer
nur krankenhausreif, raubt sie aus, raubt sie schwer aus oder
schlägt sie tot mit Verletzung. Man hält sich hier streng an die vom
Gesetzgeber vorgeschriebenen Vergehen. Das auch Mord im Gesetzbuch
steht, wird mürrisch hingenommen; da will man hier nichts von wissen,
und das schöne an diesem Leben ist zweifellos die große Freiheit von
allem, die man hier in vollen Zügen genießen kann.
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