DNA"Ei", sagte der entflogene Wellensittich zum Eichhörnchen, - "du hast aber einen buschigen Schwanz, dein Gefieder ist sanft wie Seide und deine Nase sprießt merkwürdigerweise ganz vorne aus deinem breiten Schnabel hervor. Du bist mir wahrlich ein komischer Vogel." Dem Eichhörnchen fiel vor Schreck eine Buchecker aus seinem vermeintlichen Schnabel. Das war in dieser Woche schon seine dritte Begegnung mit einem entflogenen Exoten, der es für einen Vogel hielt. Hatte es sich am Montag und Mittwoch noch zurückgehalten, wurde es ihm heute, an diesem sonnigen Freitag, nun doch zu bunt. Zwar wußte es, daß besonders in Gefangenschaft gehaltene Ziervögel sehr oft zu Verhaltensauffälligkeiten neigten, aber beleidigen lassen, das wollte es sich, bei aller Liebe selbst zu den Kranken dieser Hochkultur, nicht. "Ich bin kein Vogel", sagte das Eichörnchen bestimmt, - "und kann allein aus diesem Grunde erst recht kein komischer Vogel sein, obwohl selbst ich natürlich auch komisch sein kann. Doch dann wäre ich allenfalls ein komisches Eichhörnchen, aber ich werde allein schon auf Grund meines genetischen Schlüssels niemals ein komischer Vogel sein können, und darüber bin ich froh, besonders wenn ich mir dich so ansehe, - du komischer Vogel." Da mußte der Sittich aber mächtig schlucken; dem hatte das Eichhörnchen es aber gegeben! Das Eichhörnchen hatte unter anderem von einem genetischen Schlüssel gesprochen. Über die Bedeutung dieses seltsamen Schlüssels war sich der Sittich nicht so recht im Klaren, obwohl er mittlerweile einsah, daß es in der Freiheit Tiere gab, die nicht fliegen konnten. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |