IM DSCHUNGEL
Eine Geschichte von SCHORSCH
GROß IST DAS LEID!
Der Wald fällt den Sägen zum Opfer
Giraffen arbeiten als Liftboys
Elefanten mixen Longdrinks
und Flußpferde stürmen die Swimmingpools
(Albertus Dull,Tierforscher,1850-1935)
Im Dschungel ist der Teufel los! Die Hotelkette HAPPY RAINWOOD
gibt heute ihr großes Sommerfest.
Mensch und Tier hat sich hübsch zurecht gemacht.
Frau Schlinger trägt ein Seidenkleid von Colani und der Elefant Hans
Josef trägt sie. Er findet, das reicht, - er ist kein großer Modefan.
Mode kommt aus Europa, das ist nichts für mich, meint er, - soll die
Mode doch in Europa bleiben.
Die Paviane haben ihre Hintern bunt angemalt. Sie wirken fast
erotisch jetzt, - zumindest auf Herr Schlinger, der sich schon einen
ausgekuckt hat. Urlaub ist auch Urlaub von der Ehe, weiß er, ein
Seitensprung ist kein Seitensprung, und ein Pavian hat durchaus menschliche
Züge. Dieses kuschelweiche Fell,dieses hübsche Gesicht!, - ha!, da
kommt seine Frau nicht mit. Urlaub ist Leben, die Ehe nur ein lästiger
Beruf.
Eine Schlingpflanze, die Gedanken lesen kann, ist auch dieser Meinung,
- mal nehme ich diesen Baum, mal falle ich über jenen her, ganz wie ich
wachse, ganz nach göttlicher Bestimmung.
Der Nasenbär Franz Klaus trägt leere Coladosen als Ohrringe, die ihn um
Jahre jünger erscheinen lassen. Auch er hat sich einen Pavian
ausgekuckt, - einen kleinen, eine echte Quietschemaus. Der will er es zeigen,
das hat er sich in die Nase gesetzt.
DARF ICH BITTEN!, brüllt der HAPPY RAINWOOD-Konzernchef, nachdem der
lustige Haufen den Palast erreicht hat.
Die Horde nimmt den Gastgeber beim Wort, - nach vier Minuten liegt das
kalte Buffet bereits schwer in den Mägen. Nach sieben Minuten sind
sämtliche Doppelzimmer belegt. Die Korken sind gefallen!!
Frau Schlinger sucht verzweifelt nach ihrem Mann, sie hält das
Sommerfest mittlerweile für ein Affentheater, - und sieht ihre Diagnose mehr
als bestätigt, als sie nach Stunden ihren Mann in einem fremden Bett
findet. Natürlich schläft er nicht, er ist hellwach, nicht zuletzt weil
fünf Paviane ihn nach besten Kräften hegen und pflegen. Der Nasenbär
ist auch anwesend. Er sitzt zusammengekauert in einem mächtigen
Lehnstuhl und rülpst periodisch vor sich hin, völlig betrunken, total am
Ende.
Frau Schlinger kann im Angesicht der Umstände nur noch ohnmächtig
zusammenbrechen. Ihr Mann, der jetzt weiß, daß später noch einiges auf
ihn zukommen wird, zieht die Konsequenzen und läßt seine Frau
zugunsten des erotischen Erlebens achtlos auf dem teueren Teppich liegen.
Der Nasenbär hat keinen Pavian abbekommen. Die Anwesenheit einer
menschlichen Weibergestalt auf dem Teppich kann ihn nicht unberührt
lassen. Schon springt er völlig ernüchtert auf, um das Objekt seiner
Begierde zu begutachten. Nach wenigen Sekunden fällt er angeekelt in
den Lehnstuhl zurück. Die Enttäuschung über diesen mißlungenen Abend
ist so groß, daß er beschließt, sich das Leben zu nehmen.
Groß ist, wie gesagt, das Leid
Der Wald fällt den Sägen zum Opfer
Giraffen arbeiten als Liftboys
Elefanten mixen Longdrinks
und Flußpferde stürmen die Swimmingpools