IM KRANKENHAUS DER ELEFANTEN
Das Krankenhaus der Elefanten wurde seinerzeit sehr unüberlegt gleich neben dem Seniorenwohnheim der Filzläuse errichtet. Natürlich hatte man sich vor Errichtung der Bauwerke gründlich gezankt. Nach unzähligen kriegerischen Jahren,die, leicht, sehr und unter vielen Anderen zuguterletzt auch noch Schwertote gefordert hatten, kam man nun nicht mehr umhin, zu sagen, aus der Geschichte gelernt zu haben. Das Grosse gehörte fortan zum Kleinen wie der Schwache zum Starken. Das Linke zum Rechten wie das Oben zum Unten, das Kreuz zum Satan wie Gott zum Teufel, Aldi zu Plus wie das Minus im Rechner. Man sprach zwischen den Zeilen vom Jahrhundert des Paradieses. Sinn und Zweck des Unterfangens war es, die bedürftige Filzlaus auf die Körper der Elefanten zu locken, damit sie von ihren Pasrasiten für immer befreit würden. Und in der Tat fraßen sich die putzigen Filzläuse sehr gerne durch das dichte Gestrüpp der Elefantenhaut, knabberten willig den Rost von Baumlangen Haaren, oder unterhielten sich in Lichtungen, welche zumeist durch Selbstrodung der Dickhäuter entstanden waren, oft ausschweifend über die neue Philosophie, die alle satt machte und keinen schmähte. Der Architekt dieses gewagten Projektes hieß Stampf, Hubertus von Stampf, ein Herr mittleren Alters, der wohl in ähnlicher Mission selber von Kopfläusen befallen war. Sein heller, leichenblasser konturiger Schädel, der wie eine austauschbare Glühbirne beinahe fassungslos, wie abgebrannt aus einem speckig verkropften Halse hervorlugte, barg ein Gehirn vollgeistiger Schönheit und dimmbarer Perfektion, in dem sich grollender Donner und zischende Blitze zur stillen Harmonie vereinigten. Stampfs in der Folge romantisch aufleuchtende Augen mußten es wissen. Darum taten sie den vermeintlichen Schritt in die Welt doch sahen sie nie das, was ist. Die Frage war: Wie würde er sich je von dem Ungeziefer befreien können, das er so sehr liebte, ohne es zu vernichten? Als Stampf sich diese Frage stellte, da war er drei Jahre alt. Nun glaubt er sich erwachsen und reif. Wenn da nicht diese quälende Frage wäre. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |