Fladen

FLADEN



Gemeine Henne


"Die Fladen meiner Kühe werden immer größer," sagte der Milchbauer Herbert Grantenheim auf dem internationalen Kongress der Milchbrauer in Darmstadt. Daß die größe der Fladen, wie es kompetente Wissenschaftler sogar in den renomiertesten Zeitschriften geradezu modisch publizierten, sich entgegengesetzt proportional zur tatsächlich abgegebenen Milchmenge verhielt, trieb so manchen Milchwirtschaftlern die Angst auf die Stirn. Vor lauter Fladen sah man die Milch nicht mehr, - Anlass genug, einen umfang, - wie lehrreichen Kongress auf internationaler Plattform abzuhalten. Ein Herr in formidablem Anzug und Krawatte trank derweil hoffnungsfroh an einem Kakao, der ihm sehr wohl zu schmecken schien.
Viele Bauern hatten als Beweis ihren gesamten Kuhbestand gleich mitgebracht, und in der Tat glitten die Teilnehmer bald wie auf Schlittschuhen durch die Darmstädter Stadthalle. Fladen türmte sich auf Fladen, die Euter der Tiere blieben indes leerer denn je. Grantenheim wies alternativ auf die Wandlungsfähigkeit der gemeinen Legehenne hin, obwohl der Versuch, diese vor Ort zu melken, leider fehlschlug, - so gemein war diese Henne, daß sie anstatt Milch zu geben, auf der Stelle ein Ei legte, zumal sie es nicht anders gewohnt war. Die wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, daß selbst in Milch Eiweiß enthalten ist, mußte also nicht unbedingt zu dem Schluß führen, daß es im Ei auch Milch gäbe.
Daß man Eier, in Flüssigkeiten wie Branntwein oder Spiritus gelöst auch tatsächlich trinken konnte, interessierte hier verständlicherweise nicht. Es ging sich ja schließlich um die "echte" Milch.



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