DIE FLUCHT INS SOGENANNTE LEBEN


(ein Stück für alle Massenmörder)

Kristalle Spüre sie nicht, die Verzweiflung in dir, das Rasen des Tages, die Pflicht, dieses wahnsinnig schlechte Gewissen, von dem du nur flüchtig ahnst, das dich durchs Leben peitscht, von dem du meinst, es sei das Leben, in dem du händeringend versuchst, die Qualen, die du einst erlebtest, zu vergessen, zu vernichten, womit sie erst recht zur Qual deines Lebens wird.
Du hattest eine unsichere Mutter, die an dir vorbeigesehen hat, weil sie dich brauchte, du hattest eine Mutter, die ihr Leben aus dir saugte, obwohl eigentlich du sie brauchtest, und einen Vater, der alles niedertrampelte, was deiner Entwicklung als Mensch unter Menschen entgegenkam.
Du bist nur Knecht und kannst dich nur knechten. Das haben sie dir mit auf den Weg gegeben und daran glaubst du fest. Du kannst deinem Elend nur begegnen, indem du entweder stirbst, oder dich als Gestorbener erfolgreich zu verdingen versuchst. Du hast dich damals, wie so viele, für das Letztere entscheiden müssen, - womit du dich nicht abfinden wolltest. schließlich wolltest du nicht sterben und starbst gerade deshalb. Du mußtest der Welt zeigen, was man dir einst antat. Versteht ihr mich? Versteht ihr mich endlich jetzt?!
Ich habe gemordet und leide nicht. (ehrlicher: ich darf nicht darunter leiden). Ich bin der Herr über meine Schwäche, bin hart wie Stahl, eiskalt wie das Eisen, das tief unten im kalten Eise des Südpols lagert. Ich habe hart gekämpft, mich zu verleugnen, und darum ist die zwanghafte Repräsentation meiner vermeintlichen Stärke eigentlich nur der vergebliche Versuch, meines Lebens endlich Herr zu werden. So war es damals, so ist es noch heute. Darunter leiden dann wieder die so genannten Schwachen der nächsten Generation, die, wie alle, eigentlich nur leben möchten.



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