FROST



Die Zeiten waren schlecht. Seit Jahren schon wehte ein eisiger Wind vom Nordpol her und hatte Europa in eine Frostbeule verwandelt. Selbst in Marokko versuchten verzweifelte Menschen, sich aus der Tiefe des unnachgiebigen Eises zu befreien, selbst Notärzte schrieen nach ihresgleichen. Ein riesiger Meteorit war auf der Erde eingeschlagen und hatte sie aus ihrer Bahn geschleudert. Obwohl dieses Ereignis schon Jahre zurücklag, machten sich dessen Folgen erst jetzt bemerkbar. Die Tage wurden merklich kürzer, die Sonne geriet im Vergleich zum Mond zunehmend zur Mücke und, wie gesagt, der Frost. Erdöl wurde bald knapp. Der König des Irak, den Fernsehbilder, Pfeife rauchend im Whirlpool seiner Schwiegermutter zeigten, geriet bald schwer in die Kritik. Ähnlich scharfe Bilder, die den amerikanischen Präsidenten, umringt von blumenbehangenen Mädchen in Baströcken im Schneegestöber auf Hawai kopierten, ließen einem gar die Haare zu Berge stehen. Ich war, Gott sei Dank, einer der letzten Eisheiligen und hatte mit alledem nichts am Hut. Mir war außerdem klar, daß der Meteorit eines Tages einschlagen mußte, zumal das ja hinlänglich bekannt war. Es geht eben bis heute nichts über eine gereifte Feindschaft.



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