ZU FÜNFT



Grotte


Eine Betrachtung


Wir sind hier zu Fünft. Kaspar, Gregor und Balthasar sind drei von ihnen. Man sagt ihnen nach, sie seien heilig wie Könige.
Johannes war Täufer und Paulus schrieb fortwährend an seinem Testament, ein Umstand, der ihn selbst fast Kopf und Kragen kostete.
Kaspar war der Lustigste von allen. Wie der Name schon sagt, half er stets auf recht eigensinnige Weise, den Räuber zu stellen. Kaspar war ein Gerechter. Er brachte die Kinder zum Lachen.
Balthasar bewirtschaftete eine Weihrauchplantage östlich von München und verkaufte Samstags auf dem Regensburger Wochenmarkt den Glauben noch dazu.
Das Sorgenkind indes war Gregor. Er trieb sich vornehmlich mit Spitzhacke und Spaten bewaffnet in öffentlichen Sandkästen herum. Was er dort trieb wird erst noch erforscht.
Vereinzelte Zeitgenossen entdeckten am Schneebedeckten Hang des Laurenzberges verächtliche Spuren.
Denen ging man nach und fand heraus, daß sie zum Hause von Gregor führten, der, als man ihn zur Rede stellte, nichts zu seiner Verteidigung hervorbringen konnte. Er wußte ja nicht mal, was Schuld war.
Da hatten sie ja den Richtigen gefunden.
Es schien so, als wollte man Gregor haben, aber lieber tot als lebendig. Das, was er dachte, war den Anderen fremd. Das, was er fühlte, durfte nicht gesagt werden.
Selbst dafür fühlte er sich schuldig.
Gregor wurde notgedrungen depressiv.
Schnell war klar, wo man ihn einordnen mußte. Bald galt er, wie jeder vernünftige Mensch auch, als Idiot der Familie, der es zu etwas bringen mußte.
Bald schon war ICH ein Anderer.

zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte