AUSGANGIch ging mal raus. Das Wetter lockte mich ob seiner Schönheit auf die Straße. Auf dem Wochenmarkt traf ich einen überaus erfolgreichen Kurzwarenhändler mit besonders langer Leitung. Auf meine Frage, wie sich denn diese Kurzwarigkeit mit der Länge seiner Leitung vereinbare, antwortete er mir schriftlich und ohne jeden Argwohn. Im Park traf ich auf ein sich liebendes Paar, dem die Liebe anscheinend wichtiger war, als die Bank, auf der sie sich wie trunken tummelten, von ihrem Schmutz zu befreien. Am Busbahnhof tröstete ich verzweifelte Menschen, die seit Stunden vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit warteten. Ich war in der Tat nicht schlecht gekleidet, - meine giftgrüne Hose stach eher bescheiden von einem historischen Umfeld ab, in dem ich mich zu bewegen glaubte. Eine bunte Krawatte erheischte Gelassenheit, während ungepflegte Wildlederstiefel dennoch auf eine gewisse Aktivität schließen ließen. Durch eine Hintertüre gelangte ich schließlich in die Küche einer gutgehenden Stehpizzeria. Hier grüßten mich der Pizzabäcker, zwei weiße Mäuse sowie eine zumeist volltrunkene Kundschaft aufs Allerherzlichste, was mich überdies zu Tränen rührte. Ich war müde und hatte Nächte lang nicht geschlafen. Außerdem zwang mich ein starker Hunger, meine Tränen zu unterdrücken, derweil ich lieber einen Teig anrührte. Bald waren es frisch geschnittene Zwiebeln, die meinen Tränen dennoch Anlaß gab. Der Pizzabäcker tröstete mich wohlwollend mit einer zwiebelarmen Fungi. Daß selbst milde Pilzarten wie Champignons in mir einen Rausch auslösten, wußte er allerdings leider nicht. Mein Hosenaufschlag hatte etwas vom Flair der frühen Siebziger. Leider war ich kein Blumenkind und kannte lediglich das Rauschen der Blätter im Wind, obwohl selbst dieses Rauschen meinen Geist zu verwirren im Stande war. In meiner Not verschwor ich mich schließlich auf das Werk Knigges: Messer rechts, Gabel links, Suppe niemals schlürfen und blieb so unerkannt. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |