DIE HÜTTE AM SEE



In der Hütte am See wohnt ein Mensch, der gar keiner ist. Nur selten sieht man ihn, fast immer hält er sich versteckt. Einmal, als er doch vor die Türe trat schien die Sonne durch die Wipfel der Bäume, und stellt euch vor, dieser Mensch war ein Schatten, nichts als ein Schatten, mit dem die Sonne ihr Spiel trieb. Sie bestimmte, (wenn er denn draußen war), wann er existieren durfte, sie war es, die ihn formte, ohne daß er das je hätte beeinflussen können, und keiner wußte, was er tat, wenn er in der Hütte war. Es kam die Nacht. Der Mond schien fahl vom Himmel und gab dem Schatten nur schwach Kontur, immerhin. Jetzt gab es wenigstens ein zweites Gestirn, daß dem Schatten sein Leben nach Gutdünken ermöglichte. Er war nicht mehr allein mit der Sonne. Dem Schatten wars augenscheinlich egal, obwohl er oft weinte, wenn weder Sonne noch Mond ihn zum Leben erweckt hatten.
Warum ist der Schatten dann nicht aufgesprungen und hat sich bei Sonne und Mond beschwert, daß er kein eigenes Leben führen durfte? Warum hat er sich nicht mit anderen gleich behandelten Schatten zusammengetan, sich gegen Sonne und Mond zu verschwören? Hätte er nicht damit gegen die Naturgesetze verstoßen?
Ein Unding, ein Unding! Es wäre ein Unding gewesen, sich gegen diese Gesetze zur Wehr zu setzen. Haben Schatten ein Recht auf Freiheit?
Das Jahr zog durchs Land, es wurde Herbst, wodurch bedingt sich der Wald in ein buntes Gemälde verwandelte. Es wurde Winter, der Schatten lang und länger, und eines Tages, ich glaube es war der kürzeste, da erreichten die Hände des Schattens die gerade am Horizont untergehende Sonne. Da packte er zu, wie nur ein Schatten zupacken kann! Obwohl ihm die Hände verbrannten, die ihm so lange gebunden waren, ergriff er die Sonne, verstrickte sich in einen irrsinnigen Kampf mit ihr, daß sich die Erde aufhörte zu drehen, zog sie hinab und ertränkte sie, begleitet von einem schauerlichen Gelächter, daß die Welt erbeben ließ. Damit hatte auch der Schatten sein Schicksal besiegelt.



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