PIONIERE
Ich war in den Bergen der Kabrutzen. Das Schicksal hatte mich hierher
verschleppt. Inmitten einer Karawane befand ich mich, auf dem Rücken eines
uralten Maultiers ging mein Weg durch die Welt.
Die kabruzische Wüste war arm an Wasser. Die Berge stachen wie monumentale Zahnstocher aus dem Boden einer unwirtlichen Gegend hervor, und ein harscher Wind fegte über unsere Köpfe hinweg, der den Gedanken an einen schlechten Traum in mir wachrüttelte. Es war schon dunkel draußen, als wir vom Ufer eines breiten Flusses, der müde durch sein Bett plätscherte, aufgehalten wurden. Da wir Pioniere waren, zeichnete unser Schriftführer den Flußlauf akribisch genau nach, wobei ihm nach einiger Zeit in einer Stromschnelle allerdings der Bleistift abbrach. Peinlich daran war nur, daß wir uns zufällig genau an dieser Stelle des Flußlaufes befanden, dem einzig nichtdokumentierten Teil des Gewässers, das wir nun zu überqueren gedachten. "Frauen und Kinder zuerst!", schrie eine monumentale Person im völligen Bewußtsein ihrer ungeheueren Wichtigkeit daher, woraufhin sich einige Frauen mitsamt ihren Sprösslingen halsüberkopf in die Fluten stürzten. Wir hatten Glück, das Wasser war nicht sehr tief, es ertranken nur einige Kleinkinder ob ihrer Hilflosigkeit sowie zwei Mütter, die ihren Kindern ungeschickt hinterhergesprungen waren. Obwohl der Weg nun definitiv frei war, besann man sich zunächst darauf, auch noch die weise Meinung des Ältestenrates einzuholen, - schließlich hing man am Leben. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |