DIE KARAWANE
Wen wunderte es da noch, daß es ihm kürzlich gelungen war, lebensfähige Kamele von der Größe einer Erbse aus seinem vergilbten Strohut zu ziehen. Dabei waren diese Tiere nicht mal geklont, sondern echt und das schöne daran war, diese winzigen Tiere trugen scheinbar mühelos die Last ihrer klobigen Verwandten. Die "Erfindung" des Zauberers fand allgemein großen Anklang in der Bevölkerung. Die verzauberten Kamele fraßen fast nichts, man konnte sie mühelos in der Hosentasche transportieren und wenn das eine oder andere mal bockte, wie es hin und wieder vorkam, dann konnte man sie ab sofort ganz zwanglos zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und in hohem Bogen wegschnippen wie man das mit verdorbenen Erbsen halt so macht. Die Tiere waren insgesamt kaum bedürftig. Selbst MÄRKLIN, die berühmte Modelleisenbahnfirma zeigte reges Interesse am Erwerb dieser putzigen Genossen. Eine ganze Karawane passte leicht in ein Einmachglas. Ein paar Halme Gras dazu und alle Jubeljahre zwei Tropfen Wasser. Das genügte, sie vollauf zufrieden zu stellen. Als schwierig gestaltete sich indes die Beladung, insbesondere die Befestigung der tonnenschweren Last, die oft nur mit zentimeterdicken Drahtseilen zu bewerkstelligen war, geriet oft zum Fiasko, aber da die Vorteile des neuen Beförderungsmittels eindeutig überwogen, schwieg man sich über diesen ganz und gar unbedeutenden Nachteil geflissentlich aus. Wenn man es recht sah, kam zwar eigentlich nichts mehr "recht" von der Stelle, aber es läßt sich, zum Abschluss, sagen: Der Wille war da. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |