KASPAR IM BUS



Bildchen




Der Kaspar fährt so gerne mit dem Bus. Steigt ein, entwertet den Fahrschein, wobei ihn das mechanische Klingeln des Automaten geradezu erheitert.
Dann schmunzelt der kleine kasparsche Mund mitunter aus vollen Bussen. Ein flüchtiger Glanz erfüllt kurz seine Augen. Dann sehen die Augen den Mund oft im Spiegel der Fensterscheibe. Es hat den Anschein, als sähe dies auch der Mund, denn immer genau in dem Augenblick, da die Augen ihn dort so schemenhaft erspähen, läßt der Mund die Winkel schnell wieder fallen.
Der Kaspar hat sehr strenge Augen. Sie beobachten ihn auf Schritt und Tritt. Sie sehen alles. Sie schauen tief in seine Seele, selbst bis auf ihren Kern können sie sehen.
Der Kaspar ist ja kein Dummer. Schon oft hat er daran gedacht, sich die Augen einfach auszustechen. Dann könnten sie ihn ja nicht mehr beobachten. Dazu fehlt ihm allerdings der Mut.
Der Kaspar hat Angst vor der ewigen Dunkelheit, doch weiß er andererseits genau, daß es sein Augenlicht ist, welches ihn nicht sehen läßt.
Natürlich kann er sehen, sonst fände er ja kaum aus dem Haus. Aber gerade seine beobachtenden strengen Augen sind es, die ihn sehend blind machen.
Kaspar hat einmal von sich selbst behauptet, er sei der blindeste Seher der Welt, doch bevor es ihm gelang darüber zu emotionieren, waren die Augen zur Stelle.
Der Kaspar sitzt mit Vorliebe am Fenster. Nur dort kann er die Nase fest gegen die Scheibe drücken, daß es von draußen fast aussieht, als hätte man sie ihm abgeschnitten.
Im Bus fühlt er sich erst wirklich geborgen.


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