IN KETTEN


In Ketten

Artwork by ARTWORKS


Nun hör mir schon zu, ja du dort in dem roten Kittel. Was schaust mich so an? Ja, dich meine ich, der du dort stehst so frei und beschwingt im frischen Wind deiner Lüge, in Wahrheit gefesselt an Armen und Beinen, in Ketten gelegt, verhungert bei Wasser und Brot, wie sonst?, gesegnet von Gott, vor Jahren erdolcht schon vom Teufel im Hass seiner unendlichen Liebe.
Dein Wesen spricht eine andere Sprache als das, was deine Worte mir zu vermitteln versuchen. Du sprichst mit gespaltener Zunge. Ich sehe was, was du nicht siehst. Das spielten wir oft als Kind. Es ist die Axt in deinem Hirn.
Hast du dein Opfer erst gefunden, so ists ein Segen für dich. Brauchst ja den eigenen Schmerz nicht zu fühlen.
Warum du nicht leidest, ist mir kein Rätsel, weshalb du nicht glücklich bist, kann ich verstehn.



zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte