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Meine Tante hieß Emma. Meine Tante hatte einen Laden. Der Laden meiner Tante Emma hieß Tante Emmas Laden. Meine Tante wurde in ihrem Laden geboren, auf der Fleischtheke, die man eigens zu diesem Zweck leergeräumt hatte. Meine Tante wurde sehr alt. Sie lebte ganz für ihren Laden. Eines Tages aber holte sie der Tod ein und verschlang sie mit Haut und Haaren. Tante Emma starb vor dem Gemüsestand. Ein schöner, schmerzloser Tod. Mein Onkel fiel im Krieg. Er wurde von einer Granate zerfetzt. Meine Tante hatte fünf Kinder, drei von meinem Onkel, und zwei hatte sie sich im Urlaub eingefangen. Eines dieser Findlinge war dunkelhäutig. Man bekam die Farbe auch durch mehrmaliges Waschen sofort nach der Geburt nicht ab. Mein Onkel war sehr gebildet. In Biologie kannte er sich besonders gut aus. Die Erbgesetze von Friederich Händel hatte er aber ganz besonders im Kopf. Aus der Kreuzung zweier blauer Stiefmütterchen mußte noch lange kein blaues Stiefmütterchen hervorgehen. Ein Urahn der Familie war Neger gewesen, das stand felsenfest. Die Kinder stritten sich Jahrzehntelang um den Laden meiner Tante. Unterdessen verfaulte das Obst in den Regalen. Bananen schlugen Wurzeln und verwandelten das Geschäft auf ihre artspezifische Weise. Als man sich nach 28 Jahren endlich geeinigt hatte, der Neger in der Familie gewann einen Musterprozess, in dem er seine afrikanische Herkunft lückenlos offenbarte und diese erfolgreich mit den blühenden Bananenstauden im elterlichen Geschäft in Beziehung zu setzen vermochte, daß dem zuständigen Richter die Augen hervorquollen, war von Tante Emmas Laden allerdings nur noch wenig erhalten geblieben. Daß es dem jüngsten Spross der Familie dennoch gelang, das Geschäft meiner Tante in ein Affenhaus zu verwandeln, ist allein dessen sprühender Phantasie zu verdanken. |