KOLBENFRESSER



Berg mit Sonne
Der bedrohliche Krieg kommt nah und näher. Ich höre die Einschläge der Bomben von Belgrad, während ich an der Kasse des Supermarktes brav meine Fleischwurst bezahle. Da mir eine Romanze vorschwebt, erwerbe ich, zur Vorantreibung der Bestäubung, zusätzlich vier Pfund blauen Flieder.

Ich bin auf der Balz. Ich höre schon Glockenschlag, wo keiner mehr ist. Schrill dringt der Lockruf des Spechtes an mein Ohr. Ein plattgewalzter Igel am Straßenrand grüßt mich mahnend, mein Wagen jedoch verliert immer noch Öl in größeren Mengen. Wäre ich gar ein Fasan, dann hätte man mich, in diesem rolligen Zustand, unlängst auch überfahren, da bin ich mir sicher, womit mir das Aufschreiben dieses Textes natürlich erspart geblieben wäre. Meinen Wagen würde das wahrscheinlich nicht im Geringsten kümmern. Ach!, scheiß doch auf den Wagen, dieses Ding, diese leblose Sache.

Ja, ich bin auf der Balz, in blinder Gier verschlinge ich die ahnungslosen Damen auf der Promenade, entkleide sie nicht mal vorher, außer mit meinen Blicken. Das große Gefühl, sich auf der Stelle vermehren zu müssen, hat endlich auch in mir die Überhand gewonnen. Nur loslassen muß man sich, nur bereit sein, grunzen, schnaufen, triefen vor dieser irdischen Lust!

Vergessen ist der Wagen, das Öl, verstummt ist der Motor, Kolbenfresser.


zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte