DIE KOMMUNENOCH MEHR GEDANKEN EINES MERKWÜRDIGEN MENSCHEN![]() Artwork by GEORG ETTL Nun ja, was soll ich sagen. Das Forenfieber hat uns wohl alle ein wenig arg gepackt, im Grunde also sehr. Man kommt von der Arbeit nach Hause und schreibt einen Text, den man sich während der Arbeit ausgedacht hat. Ob und was man gearbeitet hat, weiß man oft gar nicht mehr. Alles Denken dreht sich nur um den Text, der unbedingt heute noch in alle nur möglichen Literaturforen gepackt werden muß. Nun ist er endlich geschrieben, kurz vor Mitternacht. Nein, so kann er doch nicht bleiben!, wenn das die anderen läsen! Scheiß Text! Die Worte sind sich nicht freundlich gesinnt. Man muß sie anders setzen, damit sie sich nicht gegenseitig zerbeißen, wie früher die I-Dötzchen in der Schule. Zwei Tage später. Der Text zerrt doch arg an den Nerven. Der Chef hat einen vorzeitig nach Hause geschickt, weil man ihn plötzlich mit Herr Brauner angeredet hat. Eigentlich logisch, denn Herr Brauner gehört zum Text, wovon der Chef allerdings nichts weiß. Ihm die Zusammenhänge zu erklären, wäre müßig, also geht man fein nach Hause, hockt sich vor den PC und genießt die viele freie Zeit des Schreibens. Nach schweißtreibenden Wochen im Kopf an den Tasten und womöglich auch auf der Arbeit, ist einem endlich ein großer Wurf gelungen, ein Wurf, den man hütet wie die Welpen im Hundekörbchen. Wer sagt das?, niemand. Wer ist dieser Niemand? Keiner. Das weiß man halt. Es sind zwar nur drei kurze Zeilen, von denen die erste einfach nur Fact ist, die zweite in Frage stellt und die dritte resümiert, aber die haben es in sich. Einfach herrlich, dieser kleine schnuckelige Text. Nicht besser konnte man auf den Punkt bringen, was gesagt werden wollte. Schnell ab damit in die Forencommunity, zuerst ins Blaue Wiener Forum. Mit zittrigem Finger klickt man auf BEITRAG ABSENDEN. Puh, das wäre geschafft. Die Gewissheit, jetzt nichts mehr rückggängig machen zu können, sich der öffentlichen Diskussion ausgeliefert zu haben, erweckt die Urgefühle aus dem Halbschlaf. Das Leben steht und fällt nun mit den Reaktionen, die da wohl hoffentlich bald kommen werden. Völlig verstört läuft man in seinem kleinen Zimmer auf und ab, nippt eher verstohlen an seinem Bier und denkt unweigerlich an das Lied vom Tod. Die Sorge um seine eigene Unfehlbarkeit wird groß. Wie Stunden doch vergehen können! Zum Beispiel in Unterhose am SCROLLKNOPF, früh am Morgen, weil man einfach nicht wagt, zu gewinnen, obwohl, man vage ahnt, daß man einst Verlierer war?? Daher erübrigt sich auch dieser Mut und alles bleibt beim Alten. Gut, daß sich wenigstens der Kopf umschauen konnte. |