KREBS

(jetzt fängt das Leben erst an)

Brückenschrei

Der Mutter ging es nicht gut. Seit Tagen musste sie husten.
Die Mutter hatte Angst vor dem Arzt, aber eigentlich hatte sie Angst vor der Diagnose.
Sie hatte auch Angst vor dem dämmernden Morgen, vor zwitschernden Vögeln, vor frühstückenden Menschen, vor vorbeifahrenden Bussen und Bahnen, selbst vor dem Augenzwinkern ihrer Kinder schrak sie zurück, als sei dies ein Aufruf zum Kampf.
Sie machte die Nasen der Welt weise, indem sie gekonnt verschwieg, was sie hatte.
Die Mutter tanzte einen irren Tanz zwischen Leben und Tod, schon immer.
In diesem Sud kam ich, schuldlos, zur Welt.
Ihr Mann war der Arzt. Sie fraß die Pillen, als hätte sie etwas von sich verstanden, das Sie auf immer vergessen sollte.
Ruhig sollte sie sein, einfach nur ruhig, - so wollte man sie haben. So gab sie sich auch hin, gequält, vernünftig und mit kaum einem Wasser gewaschen.
Es funktionierte, nicht ganz. Epilepsie, welch große Ausrede für dieses Zucken im Kampf um die Seele!
Oft fiel sie um, und krampfte.
Der Vater wickelte alles gekonnt in eine Decke ein, und sie ließ es zu, weil er sie brauchte, wie die Luft zum Atmen.
Dieser Schein wird jetzt wahr.
Literatur gebiert sich im Schmerz, besonders die meine...
Es ist die Offenbarung des Schweigens.

(es ist so schön. endlich deutlicher zu werden, was mein Schreiben betrifft, wenngleich, das, was ich sagen möchte, deswegen um so mehr schockt.)

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