LIFTEN


Achtung!

Einst wollte ich mich liften lassen. Da es, Angesichts meines desolaten Zustandes einer gründlichen Erneuerung bedurfte, scheute ich selbst die Reise nach New York nicht. Dort angekommen, bestieg ich unverzüglich den Lift des Empire State Buildings. Am Steuerpult des Liftes stand ein Moor. Er sah aus wie ein aus edlen Hölzern geschnitzter stummer Diener, ein Tablett in der weit ausgestreckten Hand, auf dem ein vergoldeter, mit Münzen gefällter Teller mit jedem meiner Schritte geschickt plaziert zu sein schien. Der Moor war von magnetischer Anziehungskraft. Unmöglich, ihm zu entkommen. Bückte ich mich, so bückte auch er sich. Sprang ich auf, so tat auch er mir das gleich, nur ungleich heftiger. Schlug ich ihm ins Gesicht, dann blitzten seine Augen auf wie ein Spielautomat, der noch eine Rechnung offen hat. Aus seinem Hosenstall hingen diverse Kabel heraus, die im Steuerpult des Aufzuges verschwanden. Warum fuhren wir nicht los? Ich, als Meister der Elektrik, vermutete sofort einen Systemkurzschluss. Ich wartete sechs Tage, weil ich nicht unnötig eingreifen wollte. Schliesslich ist man selbst als Meister der Elektrik nicht unfehlbar. Ich wollte halt nicht noch mehr kaputt machen, als schon kaputt war.
Ich verharrte zwei Monate in ein und der selben Stellung zusammengekauert am Boden, womit ich mich gegen den penetranten Zugriff des Liftboys erfolgreich zur Wehr setzen konnte, da mein Verhalten sich sofort in dem seinen spiegelte.
Nach fünf Jahren einsamen dahinvegetierens, war ich es satt. Ich hatte Hunger.
Ich sprang auf!
Er sprang auf!
Ich riss ihm die Kabel aus dem Leibe.
Er stürzte wie ein sterbender Roboter in zuckenden Bewegungen auf mich zu, ergriff mich schliesslich, halt suchend, am Hals und würgte mich, das mir die Augen aus den Höhlen sprangen.
Er riss mich unter entsätzlichem Gebrüll zu Boden.
es war ein Kampf auf Leben und Tot!
Plötzlich zerfiel er zu Staub.
Ich hatte ihn töten müssen, um frei von ihm zu werden.
Zwar konnte ich mich fortan frei bewegen, doch war sein Schatten jetzt die Welt.
Der sinnlose Kampf um die Befreiung geht weiter!
Dem kommen populäre Feindbilder geradewegs entgegen.


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