DAS MAHNMAL



Das Mahnmal


Als das Mahnmal sich an einem heißen Sommertag von seinem hohen Sockel in die Tiefen des niederrheinischen Mischwaldes stürzte, sahen das nur einige frohnaturige Wichtelmännlein, die pilzesuchend durch das vertrocknete Laub hüpften.
"Das Mal war des Mahnens Müde", sagte einer dieser wundersamen Winzlinge, nicht ohne den hohen Ansprüchen akademischer Intelligenz gerecht werden zu wollen.
"Der Kot der Tauben auf seiner rechten Schulter hat den Schwerpunkt derart verlagert, daß es einfach fallen MUSSTE", schlußfolgerte ein zweiter akademischer Winzling aus der naturwissenschaftlichen Sparte eher realitätsorientiert, derweil bunte Schmetterlinge ihre wirren Kreise am Himmel zogen und Frischlinge mit den Scherben des tönernen Mahnmals, die überall verstreut im Wald herumlagen, eine Art Eishockey spielten. "Das Ding war schlichtweg morsch", erkannte jemand, der wie alle anderen Winzlinge von Haus aus natürlich auch etwas erkannte, daß der Wahrheit im Falle des umgestürzten Monumentes oft bedenklich nahe kam. Eine zufällig im Unterholz herumschleichende Blinde,(man nennt diese Gliedmaßenarmen Tiere auch oft "Blindschleiche"), die sich wie eine Eidechse fühlte, der die Natur im Zuge der Evolution beide Beine abgeschnitten hatte, erinnerte sich noch genau an die Errichtung des Mahnmales vor 2567 Jahren, als sie noch Beine hatte und wie ein Kängeruh über die feuchten Wiesen springen konnte. Am heutigen Tage war es ihr freilich möglich, ohne sich zu bücken ins Gras zu beißen. Ob das allerdings ein Fortschritt war, vermochte nur sie selbst zu entscheiden, denn schließlich war sie alt genug. Das Mahnmal jedenfalls hatte sich zu tief gebückt.



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