MARKETINGEine etwas dümmliche Bäuerin verkaufte Spargel und selbstgemachte, über hundert Jahre alte Dickmilch. Ein Fischverkäufer warf wild gestikulierend Heringe in den Menschenauflauf. Manchmal schleuderte er auch einen Räucheraal durch die Luft. Er kam sich sehr wichtig vor in seiner Rolle. Eine ökologische Frau mittleren Alters saß strickend hinter ihrem kleinen Stand. Sie verkaufte künstliche Schlagsahne und verkratzte Schallplatten aus der Hippiezeit. Ihr Begleiter rauchte eine dicke Zigarette und hatte rote Augen. Eine Wahrsagerin versprach die Lösung aller irdischen Probleme für fünf Mark in zwei Minuten. Die meisten verließen das winzige Zelt in der Tat verkrampft lächelnd. Ein Penner nippte an seinem Asbach. Eine Schneeflocke kündigte den Winter an. Einige verträumt daherleutende Kirchenglocken bestätigten das. Zwei Bauern rannten auf ihre Felder und packten sie warm ein. Eine Zimmerpflanze, die man nicht reingestellt hatte starb den Heldentot. Eine vergessene Kohlrübe konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen. Der Fischverkäufer betrat die Schneeflocke, kam übel zu Fall und brach sich ein Bein, - ich glaube das linke. Ein kleiner Junge versuchte, mit seinem Schlitten auf der Schneeflocke herum zufahren. Seine Mutter verbot ihm das, nach all dem, was geschehen war. Die Schneeflocke mußte verschwinden; das wurde nach und nach allen klar. Sie wurde gegen Höchstgebot an eine berühmte Eiskunstläuferin verkauft. Zwei Wochen später fiel die zweite Schneeflocke auf den Marktplatz. Es gab drei Tote, zwei Schwerverletzte sowie fünf Verkehrsunfälle mit erheblichem Blechschaden. Die Zeitungen berichteten ellenlang. Im Fernsehen gab es sofort mehrere Sondersendungen. Selbst der Bundestag tagte in Sachen Schneeflocke. Ein warmer Sonnenstrahl kündigte den Frühling an. Zehn Forscher des Max Planck-Institutes untersuchten ihn eindringlich nach Spuren von Schnee, und fanden -nichts. Ein kleiner Junge versuchte, sich daran zu laben. Seine Mutter verbot ihm auch das, nach all dem, was geschehen war. |