MAYDAY Hamburg ist eine Weltstadt und schön. Ich bin auch von dieser Welt und daher kürzlich erst in Hamburg gewesen.

Da ich als Musiker nur ein kurzes Gastspiel in der Hansestadt gab, habe ich von Hamburg nicht viel gesehen, aber das, was ich gesehen habe, entschädigt tausendfach für den nicht bestiegenen Michel oder einer anderen, leichteren Dame auf der "Bannmeile" REEPERBAHN.

Hamburg ist ein kleiner Club im malerischen Altona, der nicht ganz zu Unrecht den wohlklingenden Namen MAYDAY trägt.

Im Mayday gehen die Uhren anders, in jeder Hinsicht. So mancher Tourist, der am frühen Abend, in der zielstrebigen Absicht, nur mal eben Zigaretten holen zu wollen, den Club betritt, verläßt selbigen oft erst am Nachmittag des darauffolgenden Tages, etwas müde, aber geläutert und im Grunde, trotz eines leichten Brummschädels, guter Dinge.

Wir Musiker betraten dieses Hamburg bei Tageslicht. Im Osten erstreckte sich eine Theke bis in den Nordwesten der Stadt hinein, der Süden lud mit seinen zwei ausgewachsenen Eichentischen, auf denen prunkvoll Bierdeckel oder Aschenbecher thronten, zu einer langen Nacht ein, während ganz oben im tiefen Norden der Stadt eine kleine dämmerige Bühne um die Gunst des Publikums buhlte, das noch nicht anwesend war.

Es war so dunkel hier, daß selbst unser sehbehinderter Saxophonist Horst kaum Mühe hatte, über Tische und Stühle zu stolpern. Hier waren wir richtig. Das war uns sofort klar.

Der stellvertretende Bürgermeister von Hamburg hieß "Arne". Er ließ uns wissen, daß der echte Bürgermeister noch in Urlaub sei. Man habe an dessen Stelle den "Arne" hinter die Theke Hamburgs gesetzt hieß es von offizieller Stelle.

Arne war somit alleiniger Ansprechpartner, und wir bewunderten kopfschüttelnd seinen weisen Entschluß, uns zehn Musiker hier spielen zu lassen, obwohl man seit dem Fest im Schwarzwald, wo wir vor einigen Wochen auftraten, uns nachsagte, daß wir den Regen förmlich im Gepäck trügen, denn wo immer unsere Musik erschallte, regnete es in Strömen. Das fiel selbst uns Musikern unangenehm auf, zumal wir während der letzten drei Darbietungen außer Aufbauen, Soundcheck und Abbauen, dem Publikum keine weiteren Aktivitäten bieten konnten.

Dem Auftritt in Hamburg konnten wir allerdings getrost entgegensehen, denn Hamburg war überdacht. Den Flüssigkeitsverlust glichen wir mit Bier mühelos aus, was letztendlich eine gelungene Veranstaltung zur Folge hatte.

Der Himmel über Hamburg ist übrigens braun, zumindest im MAYDAY, - das gehört sich für einen Szeneclub, das ist auch gut so. Man kann jahrhunderte lang rauchen, ohne zu bemerken, daß der braune Himmel sich langsam ins Schwarze tönt... Ein echter Szeneclub ist halt immer auch ein bischen dreckig. Im Operationssaal bekommt man schließlich keinen Spaß, - natürlich will man nicht als schräge Absteige gelten, um den besten Platz muß man halt kämpfen.

Der Zweck heiligt ,wie gesagt, die Mittel.

Und gerade weil die Mittel eher bescheiden waren, erfüllten sie den Zweck allemal.


(für Anneliese und Arne)



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