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HÜ HÖ! schrie der besoffene Kutscher, das die Pferde schon scheuten, noch bevor sie aus dem Stall waren. Stolz wurde die Fahne geschwenkt! Fünf Liter Krombacher wehten weit, besonders verdaut auf dem Kutschbock. Wild flogen die Flaschen in den Graben. Wen kümmerte das Pfand? Flaschen, halt Flaschen! Vierzehn hochfeine Hengste aus edelstem Stall kamen unflätig wiehernd in Trab. (Zwölf Araber, zwei aus dem vereinigten Königreich Ju Kai und Henriette, ein Ackergaul im Gnadenbrot irgendwo von hier aus der Gegend als Schlußlicht. Henriette mußte die Kutsche demnach drücken, wenngleich sie innerlich spürte, gezogen zu werden) Nur, weil sie geschirrt waren, liefen sie in ein und dieselbe Richtung los. Sonst hätten sie sich womöglich in alle Himmelsrichtungen verstreut und Nichts wäre der Rede wert gewesen, wenn nicht dazu noch im Heck des vortrefflich ausgestatteten Wagens ein weißbärtiger Mann energisch um die Einhaltung der Verkehrsregeln gebeten hätte. Der Mann hieß, rein bürgerlich gesehen, Schmitz. So kann ja jeder heißen! (das sagt man noch heute fast ohne Blatt vor den Mund zu nehmen) Zu Weihnachten wollte er nun etwas besonderes sein, nämlich Weihnachtsmann. Da glaubten ihm selbst die nächsten Verwandten, das auch sie Schmitz hießen. Es war schon ein erhebendes Gefühl, den Weihnachtsmann, wie auch immer, in der Familie zu haben. Gnade sei dem, der ihn im Kopf hat! Oh, gnädiger Leser, glaube mir, dieser Schmitz hatte ihn das ganze Jahr über im Kopf! Nichts war ihm wichtiger im Leben, als der heilige Moment der Bescherung. Für diese selbstlosen Stunden des Schenkens und beschenkt werdens bei Kerzenschein verbrachte er das ganze Jahr über sehr gern in asketischem Stumpfsinn, ließ sich selbst noch von Untergebenen zur Schnecke machen, ohrfeigte aus dieser affektiven Grundhaltung heraus unschuldige Kinder, weil er Unschuld für unartig hielt. Schließlich hatte man ihn, als er noch Kind war auch schuldig gesprochen und zur ständigen Reue erzogen. Aus diesem moralischen Sumpf hatte er sich nie befreien können. Zu hart war das Leben, zu gefährlich! - zu groß die Verwirrung, zu mächtig die Götter, denen er auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Sich einmal über diese Schwachköpfe zu erheben, ihnen einmal zu sagen wie sie ihn dadurch, das sie ihm ihre Haut überstülpten doch quälten, das durfte er nur im Traum oder auf der Toilette nachdem er sie von innen verschlossen hatte. Gleichermaßen ließ er nichts aus, sich in ihre Gunst zu stehlen, indem er alles tat ihre Bedürfnisse zu befriedigen und die seinen zu eliminieren bis am Ende nichts mehr von ihm übrig blieb außer Hass und diffuser Zorn, der sich mit den Jahren gegen den ganzen Erdenball richtete. Wie oft lief er, als es schon dunkel war, hinaus in den Wald, schlug sich den Kopf an seiner Lieblingseiche blutig und schrie: BÖSER GOTT! WIE KANNST DU NUR LIEB SEIN WENN ICH MICH SO HASSEN MUSS WEGEN DIR?! SIE TUN MIR UNRECHT! SIE TUN MIR WEH! ICH KANN SIE NICHT LIEBEN, ABER ICH BRAUCHE SIE SO SEHR WIE EIN MENSCH DIE LUFT ZUM ATMEN! Hoch oben im Geäst saß verträumt eine schielende Eule aus dem Polenzer Forst. Als der Weihnachtsmann sie erblickte, warf er Bart und Mütze ab, fiel erschöpft ins Laub und wimmerte: EULE, LIEBE EULE! WEISST DU KEINEN RAT? SIE WOLLEN, DASS ICH EIN ANDERER BIN! SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN! Da plusterte sich die Eule uff wie ein sächsischer Uhu und sagte leise: HIER, NIMM DIE SCHOKOLADE. DIE HAT SELBST RIMBAUD NICHT VERSCHMÄHT.
Da nahm der Weihnachtsmann die Schokolade, brach sie, warf die eine Hälfte in den Wald, die andere aber hielt er hoch und sprach: SEHT HER! FÜR MEINE JÜNGER WILL ICH MEINEN ZÄHNEN NUN SCHADEN ZUFÜGEN. SO ZEIGET DENN HER EUERE STIEFEL! ICH WERDE SIE EUCH FÜLLEN, DENN IHR SOLLT ES MIR GLEICHTUN! GREIFT ZU! ESST! WERDET SATT! MEIN ONKEL IST ZAHNARZT! DER WEISS EH ALLES BESSER! Das die Tante des Weihnachtsmannes eine berühmte Gesichtschirurgin war, die ihn schon mehrfach ungünstig behandelt hatte, verschwieg er geflissentlich. Die Seele steckte demnach definitiv im Gehirn. Warum? Die Abtrennung dieses so lebenswichtigen Organes im Längsschnitt, hatte, trotz des neuen Pullovers, doch recht wenig gebracht und das, obwohl die Krankenkasse für sämtliche Kosten aufkam. Die Reform des Gesundheitswesens war für Schmitz also von vorneherein kein Thema. Der Weihnachtsmann war über sein Denken müde geworden. War es überhaupt Denken? War es nicht vielehr ein Rätseln, ein sich Winden durchs Labyrinth des Lebens, das gar keines war? Er sah sich genötigt, eine Träne abzudrücken. Die Eule schrie: PICKEN, PICKEN!, was übersetzt soviel wie PRESSEN, PRESSEN! hieß, denn sie hatte schon so manchem Kücken aus dem Ei geholfen. Sie war eine Heb - Eule. Da streckte er alle Viere von sich und befahl: SCHLAFEN, SOFORT!, hernach er sich unverzüglich auf die Piste begab. Schmitz war Renn - Schläfer. Amok konnte er immer noch laufen, schließlich war er noch jung und bei Kräften.
Oh, welch süßer Schlaf überkam ihn sogleich und Träume wirsch und schräg verfolgten ihn wie auch am Tage sie ihn nicht ruhen ließen. Er träumte den Traum von der Schwebe quadrierter Gedanken, sah einen eckigen Kopf in eckigem Rahmen, sah eckige Häuser, eckige Gärten, eckige Tannenbäume, Fettecken, Spielecken, Nußecken. Das Schicksal wollte es, das er ausgerechnet jetzt eine Buch - Ecker zertrat. Auf einer Mandarine wäre er gewiss ausgerutscht. Ein Etwas in ihm träumte indes kongenial dazu in Kreisen. Ob Kreisverkehr, Tennisball oder Telefonbuch. Die erste Nummer der Vorwahl war jedenfalls immer eine Null, also rund. Das faszinierte ihn ungemein. So viele Nullen zwischen zwei Buchdeckeln, das war ja ein Ding. Der Kreis allein, einmal erdacht, ist in seinen Folgeerscheinungen auch nur Kopie. Ein Kreis ist ein Kreis ist ein Kreis. Runde Ecken müßte es geben! Ecken haben wenigstens den Vorteil, dass man sie auch Knicke nennen kann. Kreise müsste man stauchen dürfen, Quadrate aufblasen! Luder schinden und Schinder ludern! Wie sollte der Kreis das Quadrat verstehen, wenn er nicht auch Quadrat sein darf? Warum greifen (psychologisch gesehen) Geometrie und Mathematik nicht ineinander? Warum darf immer entweder nur das Eine oder das Andere gelten? Warum stehen Ergebnisse fest? Warum darf die Wahrheit nicht Wahrheit sein, obwohl sie die Wahrheit ist? Warum will sie errechnet sein, erlaufen, erstunken, ersoffen, erlogen? Warum lebt sie uns und nicht wir mit ihr? Vielleicht gar, weil sie weh tut? Müssen wir sie deswegen verkleiden?...um Ausreden nicht verlegen sein? So träumt denn schön weiter, ihr Lieben. Morgen ist auch noch Zeit, sich auszureden.
Kurz vor Neun ist zweifelsfrei nach Acht, jedoch noch im Achter - Bereich. Wer die Uhr lesen kann, der kommt hier voll auf seine Kosten. Kanuten haben hier, verflucht nochmal, Pech. Zeiger sind halt noch längst nicht jedermanns Sache. Beim stündlichen Schlag der Kuckucksuhr, will selbst besagter Vogel seinem Käfig entfliehen. Sehr weit kommt er allerdings nicht, weil die grausame Mechanik dieser Zeitmessanstalt ihn nach jedem erfolgten Schlagabtausch, je nach Hersteller, manchmal sogar im Fufzehn - Minuten - Takt in die Schranken weist. KUCK (viertel nach, oder dreiviertel vor) KUCK KUCK (halb nach, oder halb vor) KUCK KUCK KUCK (dreiviertel nach, oder viertel vor) und KICKERIKIEE! (volle Stunde, da gibts nichts dran zu rütteln.) Klappe zu. Was ist mit den spitzen oder stumpfen Winkeln zwischen dem rechten, zum Beispiel: ACHT - SECHSUNDVIERZIG, ACHT - VIERUNDVIERZIG? ACHT - SECHSUNDVIERZIG (vierzehn Neune, zweihunderteinundsiebzig Grad von Rechts, neunundachtzig Grad von Links, einmal stumpf, einmal spitz) ACHT - VIERUNDVIERZIG (sechzehn Neune, zweihundertneunundsechzig Grad von Rechts, einundneunzig Grad von Links, zweimal stumpf) Das weiß nur der Kukuck. So stimmt er sich ein. Zuerst war die Uhr, dann kam die Zeit. So kann man demnach die Zeit verstellen, in dem man die Uhr verstellt. So einfach ist das. Stünde man allerdings vor zwei Uhren, die verschiedene Zeiten zeigten, müßte man sich für eine entscheiden. Wers nicht kann, der tanzt dann halt auf zwei Hochzeiten HULLA HUPP. Leben im ZWITSCHERRAUM wird so erst möglich. Ich hatte zuerst Wasserschildkröten. Viel später erst verlagerte sich mein Interesse auf Sittiche. Die konnten wenigstens fliegen, aber eigentlich wollte ich ein Pferd. Die Erfindung der ECHT - ZEIT ist also noch lange kein Garant für Bewußtheit. Zeit ist ein dehnbarer Begriff, Leben ein Huschen durch unaufhaltsame Momente. Wer in dieser Hinsicht fixiert, hat schon verloren. Schmitz, der Weihnachtsmann räkelt sich noch etwas im Laub. Gönnen wirs ihm, denn schließlich muß er heute nicht arbeiten. Wie doch die Zeit vergeht!
In Dänemark geht Weihnachten ganz anders. Da kommt dieser Mann nämlich nicht durch die Türe, sondern durch den Schornstein. Diese Art der Vorgehensweise erhöht den Überraschungseffekt natürlich enorm, besonders wenn der heilige Mann mit all seinen Geschenken im Kamin stecken bleibt. Weihnachten in KABUL stelle ich mir zur Zeit noch problematischer vor, obwohl die tapferen Einsatztruppen es dem nordischen Weihnachtsmann quasi gleich machen, indem sie nun fleißig damit beschäftigt sind, die unterirdischen Labyrinthe zu stürmen. Das geht nun mal nicht, indem man sich legal Einlass verschafft. Klausewitz spricht hierbei offen von taktischem Hinterhalt, während Knigge den Kindern am selben Tisch, fast widerborstig ekelhaft, die so nötige Dreifaltigkeit der Serviette zu erklären versucht, um ihre Begriffstutzigkeit, verdammt nochmal, endlich zu besiegen. Ums vorweg zunehmen: Hinter Törchen 24 verbirgt sich das Gesicht von...neee, das nehm ich nu nicht vorweg, das wissen ja eh alle schon. So schön kann Überraschung sein!
Nach fünf fast unverzehrten Tagen im Laub kann man es Schmitz nicht verübeln, wie folgt zu halluzinieren. Das er überhaupt noch etwas sagt, ist der Verdienst seines Onkels Theodor, der ihn seinerzeit unabsichtlich am großen Zeh kraulte: Viersen, was für ein Wort, nein, nicht nur Wort! Wenn es wenigstens das wäre! Was denn? und sonst? Ja danke! Und selbst? Fragen Sie meinen Bischof, oder quatschen Sie meinetwegen ihre Parkuhr voll, sofern sie noch nicht umgestellt ist! Ich bin Europäer! Wasserbüffel kann ich immer noch werden, Sie Gemse, Sie! Oh W(eh)! Dich möchten wir hier nicht haben, denn Viersen ist kreiselnde Kreisstadt mit Nie wo! immer müde nimmer offen stehts bemüht doch weit gefehlt ist ORT! (nehmt mich beim Wort) am Wochenend sehr oft besoffen. Oh Viersen, meine Heimatstadt Ich hab dich satt! Ich hab dich satt!
Wenn ich schon seh
Feste soll man fallen, wie sie feiern!
Wenn Isolde nicht gewesen wäre, hätts mit der schönen Bescherung erst gar nichts gegeben. Sie wird die Erweckerin sein. So sieht sie auch aus. Man wird Hymnen auf sie singen und sie wird fleißig dazu bellen... (Ich nehm schon wieder alles vorweg, na ja, so bin ich halt, ich Visionär. Wie furchtbar!) Kurz zur Erklärung: Isolde von Hohenlohe auf der Lausitz war hochkarätiges Trüffelschwein des Schnüfflers Hans Obdenbom von Dorte Weckmann, der, im Real Live, als Kriminalpolizist, seinen vortrefflichen Dienst tat. Die mühsame Suche nach Trüffeln, war ihm Hobby aus Leidenschaft, drum hatte er sich seinerzeit auch die Isolde erst angeschafft. Isolde, so hieß, gezeichneter-Weise, auch seine Frau, die all diese Trüffel essen mußte. (warn wohl auch ein paar Fliegenpilze dabei. Selbst Trüffelschweine sind fehlbar) Wie dem auch sei. Schließlich sind wir hier in einem Adventskalender und nicht auf der Lindenstrasse. Oh, diese heilige Zeit! Jedenfalls begab es sich nun so, das Isolde ihrem Herrchen einmal mehr fortgelaufen war. Zu plötzlich hatte sie Fährte aufgenommen, zu unbeholfen war sie losgerannt, zu schnell war ihr rosaroter Ringelschwanz außer Sichtweite geraten und nicht mal Brille putzen oder wüste Beschimpfungen hätten noch helfen können, sie zur Umkehr zu bewegen. Oh weh, oh weh! Nu war von Dorte Weckmann sie wieder los. Natürlich würde sie zweifellos wiederkommen wie immer sie das bisher getan hatte. Nur, wen oder was würde sie ihm diesmal vor die Füße werfen, sich seiner Gunst zu versichern? Isolde hatte die Hundeschule besucht. Sie grunzte nicht, sie bellte wie gesagt. Das war wohl ihr Fehler. Man hatte sie aus der Art geschlagen, und sie versuchte, das Beste daraus zu machen. SCHWEINE-HUND SCHWEIN GEHABT AUF DEN HUND GEKOMMEN SCHWEINE-BRATEN? LECKER! SCHWUND! So, liebe Kinder, nun geht schön fleißig ins Bett, denn Morgen erzählt euch der böse Onkel wie Isolde dem Weihnachtsmann das linke Ohr abbeißt, weil es nach Trüffel roch. Und jetzt will ich nichts mehr hören! (-:
Isöldchen kam nach zwei Kilometern erst richtig in Fahrt. Heißa, Hossa, Hulla die Hupp! Die Nüstern tief im Laub vergraben, brauste sie unter schändlichster Mißachtung der Naturgesetze wie ein Schnee-Räumer, schaufelnd durchs feuchte Unterholz und verschmähte dabei weder Ameisenhaufen noch die Behausung des Oberförsters. WENN SIE FÄHRTE HAT, DANN HAT SIE FÄHRTE, dachte von Dorte Weckmann nicht ohne Stolz, obwohl er aus schmerzhafter Erfahrung heraus wußte, was es hieß, wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, schwerer Körperverletzung mit Todesfolge von echten Gerichten, in denen, von hohen Podesten aus, berobte Männer mechanisch vom Blatt lasen, verurteilt zu werden, und all das nur wegen seiner geliebten Isolde, die, seines Wissens nach, doch bloß ihrem Spieltrieb folgte. Diese kosmischen Richter sprachen im Besonderen von Verletzung der Aufsichtspflicht. KOMISCH, dachte von Dorte Weckmann. ICH HABE SIE IN KEINEM MOMENT IHRES LEBENS AUS DENN AUGEN VERLOREN. ICH WAR DOCH IMMER DA, SIE IN DIE SCHRANKEN ZU WEISEN. NICHT ICH, SONDERN SIE VERSUCHT, MICH NUN IM STICH ZU LASSEN! WARUM WILL SIE NUR SO RADIKAL WEG VON IHREM DRESSEUR, DER IMMER NUR DAS BESTE VON IHR WILL? WARUM IST DAS GUTE SCHLECHT, DAS BESTE NIE GUT GENUG? Isolde kümmerte das wehleidige Gesülze ihres Herrchen indes wenig. Stets dachte sie an den Nobelpreis, für den sie sich für sehr verdächtig hielt. Da stieß sie plötzlich auf das Ohr des Weihnachtsmannes, das von weit hergeholt schien, aber dennoch irgendwie echt wirkte. Isolde hatte also nicht umsonst geschnüffelt. Wie der Hürr, sos Geschürr!, sagt ein altes Sprichwort. Damit hatte es sogar Sprich-Wörtlich recht. Da biss Isolödchen zu! Der Weihnachtsmann sprang auf, lief schreiend aus dem Wald hinaus und flüchtete sich in ein Zimmer, in dem Sein-> über-> Leben stand. Das linke Ohr war allerdings futsch. Jetzt brauchte er ein Hör - Gerät, um Schritt halten zu können. Ich wünsch euch was! Schlaft gut! Bis morgen!
MITTWOCH, DER DREIZEHNTE, sagte der Mann, welcher ihn beidhändig von Außen nach Innen befördert hatte. Aus eigener Kraft hätte Schmitz den beschwerlichen Aufstieg bestimmt nicht geschafft. Schmitz hatte sich mühsam an der Dachrinne hochgehangelt, drohte schon abzustürzen, als helfende Pranken endlich zugriffen, das Schlimmste zu verhindern. Isolde, die ihn bis hierher verfolgt hatte, sprang tief unten auf der Straße vor unbändiger Wut quasi im Dreieck. Der Hergott mußte sie in eine Wildsau verwandelt haben! SCHMITZ, DER WEIHNACHTSMANN, ANGENEHM, entgegnete Schmitz sichtlich verwirrt, dennoch im Grunde erleichtert, worauf diese merkwürdig behaarte Person in ein kakophonisches Gelächter ausbrach, das die Wände erzittern ließ. wer war dieser Mann, wo war er gelandet?... Morgen mehr!
ICH BIN WIRKLICH DER WEIHNACHTSMANN, sagte Schmitz, nachdem sich die Wände wieder etwas beruhigt hatten. DIES GUMMI, DAS MEINEN BART HÄLT IST ECHT. HIER, ZIEHEN SIE MAL DRAN! Mittwoch der Dreizehnte stutzte zunächst, hielt eine Echtheitsprüfung dann aber für unumgänglich, indem er das Gummi spannte, um es an Schmitzens kahlgeschorenem Hinterkopf wie eine Peitsche aufschlagen zu lassen. AUA!, schrie Schmitz sichtlich verstimmt. Aus einer tiefen Schnittwunde, die nun, auf solch einfache Weise an seinem Nacken entstanden war, quoll Blut, das schwarz wie Galle war. (einem bodenständigen TÜV-Prüfer entgeht halt nichts) WIE ICH SEHE, BELÜGEN SIE MICH NICHT, entgegnete Mittwoch der Dreizehnte, ZUMAL ICH HEUTE SCHON DONNERSTAG, DER VIERZEHNTE BIN. AUF SO EINEN WIE SIE HABEN WIR GERADE GEWARTET. ES GIBT SCHEINBAR DOCH NOCH SO ETWAS WIE ZEITLOSIGKEIT. ABER KOMMEN SIE DOCH! ICH MÖCHTE SIE MEINEN KOLLEGEN VORSTELLEN. Des Mannes Augen begannen plötzlich zu leuchten, als ob Glühbirnen in seinem unförmigen Kopf wohnten, und wenn Schmitz nicht alles täuschte, sah er zwei kleine Hörnchen, sich aus selbigem stehlen. Donnerstag der Vierzehnte reichte dem Weihnachtsmann die Hand zum Gruße. Würde er sich ihm nun auch offenbaren? Vielleicht weiß Freitag der Fünfzehnte ja mehr. Keep surprised!
ICH MUSS DICH JETZT MITNEHMEN, sagte Freitag der Sechzehnte, der schon halb Samstag der Siebzehnte war, obwohl Freitag der Vierzehnte war und Samstag, erst der Fünfzehnte ist. Dieser Vertrauen erweckende Mensch war seiner Zeit also weit voraus! AUS WELCHEM GRUNDE SOLLTE ICH MIT DIR KOMMEN MÜSSEN?, erwiederte der Weihnachtsmann. DU WEISST JA GAR NICHT, OB ICH DAS WILL. Da wurde der Blick dieser Gestalt mit einem male hochgradig stechend. Eine grüne Flüssigkeit entschwand seinen Augen. Aus seinem Kopf schossen Blitze von prophetischer Kraft. Es roch sehr nach Verbrannten und Haaren. Ein Löschversuch mit Spiritus geriet fast notwendig zur Verpuffung. Eine unsichtbare Zischflamme zündelte am Dorfe und vernichtete sogar den Wald. Zwölf Oberförster starben, drei verloren ihren Job, und all dies geschah, nur weil der Weihnachtsmann kritisch sein wollte.
Da packte der Weihnachtsmann die Kralle seines Erretters. Und sie liefen Hand in Hand durch den Raum, preisten Lob und lobten Preis wo immer auch zu Loben und zu Preisen war. Es war ein traumhaftes Wandeln, das über die Männer gekommen war, ein taumelnder Irrsin hatte sie erfasst. Sie tanzten auf Tischen. Sie warfen kostbare Vasen um, nachdem sie diese leergetrunken hatten, schmissen sich hölzernen Gruftwächtern der Antike an den Hals, machten Licht, obwohl die Sonne grell vom Himmel schien. Manchmal stießen sie in ihrer Euphorie die herrlichsten Unkenrufe aus, woraufhin sich Unken aus aller Herren Länder kreischend vor dem Hause versammelten. Den Unken folgten die Insekten, den Insekten das Schilf, dem Schilf die Weiher, den Weihern die Reiher, den Reihern die Fische, den Fischen die Angler, den Anglern die Campingplätze und so fort und so fort. Es war schon herrlich mitanzusehen, wie die Natur sich Stück für Stück die Zivilisation eroberte. Back to the Roots! Als der Weihnachtsmann sich dessen gewahr wurde, ließ er ab von seinem Wohl-Täter, sprang hinaus auf den Balkon und erhob, den Weit-Blick genießend, sein Wort: Biotop! Sei uns Willkommen in der Stadt! Betong! Hab keine Angst! Wir werden dich Reanimieren! Du bist ja im Grunde auch nur Naturstein, der geschliffen aus dem Baumarkt kommt. Feuchtes Moos wird dich alsbald entschleifen. Neun Tage noch, neun Tage! Dann werde ich endlich über dich kommen, auf das selbst deine Seele sich regt. Ich werde deine Krippe sein, dein Lecker-Teller, dein täglicher Frühstückskorb, dein Zewa, deine Lätta, du Schuft! Das lass dir von einem obdachlosen Weihnachtsmann gesagt sein. Alle Weihnachtsmänner sind obdachlos, sofern sie sich für den echten halten. Eine Person meines Namens ist in keinem Grundbuch dieses Landes verzeichnet. Wie gut, das es mich gar nicht gibt, denn sonst müsste ich die bitterkalten Nächte womöglich noch im Freien verbringen. Aber das wär dann ja auch egal. Welch herrlich Gesülze! Dazu ein Ambiente, als versuchte ein Kaiser sein Volk trottelig zu reden. Hier stimmte einfach alles, vom hochgotischen Torbogen bis zur machtvollen Balkonbrüstung aus dem Tertiär. (die Steine waren jedenfalls so alt) Selbst der Regenwald stand unversehens mit fünfzehn Vertretern (allesamt entwurzelte Bäume) und einer Liane aus dem Angebot vor der Türe. Wie selbstverständlich begann es, zu schiffen. Den Unken war das mehr als recht. Selbst Fischstäbchen wurden lebendig und schwammen erweicht davon. (Paniermehl ist eh nicht gut für die Kiemen) Ein besonders Mutiger wagte es sogar, das Wort STRUKTUR in den Mund zu nehmen. Leider verschluckte er sich daran und erstickte gleich heldenhaft nervös. Die Welt zuckte zusammen, wie damals, nach dem dreistündigen Frieden von Schwalmtal.
Die Rede war aus. Aus war die Rede, aus, gesprochen und vorbei. Am Horizont erschien wie bestellt und nicht abgeholt eine krähende Krähe bei seichtem Vollmond. Ein dichter Nebel lag krass über den Feldern. Spitze Zungen bleckten fast unsichtbar vom Himmel. Der Morgen summte, auch wegen der Libellen am jenseitigen Ufer. Schmitz, der soeben noch glaubhaft Weltgeschichte geschrieben hatte, hing wie tot über die Brüstung des Balkons, so hatte er sich verausgabt. Unten im Hof verbrannten einige Zyniker seinen Bart, der ihm in der Aufregung abgefallen war. Er wäre, gewiss, auch heruntergefallen, hätte dieser Hans Muff der Siebzehnte, sich nicht an dessen Fersen geklemmt. Es gab aber mehr zu als buh Rufe. Besonders die Unken hüpften unter fachmännischer Leitung ihrer Musiklehrerin wie kleine Springteufel unbeschwert durch die Gegend. Wie gut, das sich rein zufällig auch eine Hüpfburg hierher verirrt hatte! Da machte das Hüpfen natürlich doppelt Spass! (Schuhe bitte ausziehen!)
Es war ein herrlicher Sonnenaufgang. Glutrot entschwand der Ball des Lebens kreisrund dem Schmiedefeuer der Nacht. Das Lärmen der Unken verstummte. Die Hüpfburg sank zischend in sich zusammen. Luft raus, aus! Zwei letzte Angler zogen ihre nach Luft schnappenden Köderfische aus dem gefrorenen Gewässer, steckten sie in ihre Hosentaschen und verschwanden stumm über die Felder. Ein Seilchenspringendes Mädchen hüpfte gekonnt am Balkon vorbei. Schrapp Schrapp machte das Seil. Ein schmutziger Straßenköter versuchte, nach dem Seil zu schnappen. An seinem Schwanz hing fauchend ein schwarzer Kater, der sich darin verbissen hatte. Da war das Schnappen natürlich schwer. Es war ein Einziges Schnappen und Schrappen an diesem so frühen Morgen. Im Stadtpark schnappten jetzt sogar die Mimosen ein. Ein gelber Mann trat aus dem Off, Schwarze Fliege, schwarzer Zylinder, wie von Zuckerguss überzogen, ein bischen puppig, sofern man denn ehrlich ist. Aus der Ferne schoben drei Arbeiter nach Unstimmigkeiten mit der Bauleitung, einen hohen Berg heran. Der legte, nachdem er positioniert war, einen Schatten über das Haus. Auf dem Gipfel des Berges saß ein bärtiger Mann. Und er war so bärtig, das der Weihnachtsmann vor Neid erblasste. Wie er sich doch deswegen schämte! Der bärtigste Mann der Welt war nicht nur der bärtigste, sondern auch der weiseste Mann der Welt. Er war nun samt Berg herangeschoben worden, ihn eines Besseren zu belehren. WARUM BIN ICH NICHT EINFACH SCHMITZ GEBLIEBEN?, dachte er. WARUM NICHT KLEIN UND SCHWACH? SO, WIE EIN JEDER IST? NUR SO MACHT SCHENKEN DOCH SINN! ICH HASSE JEDEN MISSBRAUCH VON SCHWÄCHE. DAS MACHT MICH NICHT NOTWENDIG LIEBENSWERT, BESONDERS BEI DENEN NICHT, DIE SIE, AUF KOSTEN DER SCHWACHEN, ALLEIN ZUM EIGENEN VORTEIL, SCHÄNDLICH AUSNUTZEN. WIRKLICHE STÄRKE IST ANDERS! DAS SAGT EUCH JETZT SCHMITZ UND NICHT DER WEIHNACHTSMANN. Da sprang die Sonne wie beschwipst über den Scheitel der Bäume und machte Schön Wetter, obwohl die vom DWD ganz anderer Meinung waren.
Schmitz war seine Scheinheit über. Mit diesem angebrochenen Tag war eh nichts mehr anzufangen. Er hätte vielleicht noch die Tauben im Park vergiften können. Verbissene Katzen, Seilspringende Mädchen, verschobene Berge, bärtigste Übermenschen. Na und? Fiktion, nichts als Fiktion! ICH HABE EUCH DIE NACHT ZUM TAGE GEMACHT!, schrie Schmitz, UND JETZT MACHT IHR, ZUM DANK, DEN TAG ZUR NACHT? AN MIR SOLLS NICHT LIEGEN! WENN ICH HUNGER HABE, DANN SEID IHR SATT, NOCH BEVOR ICH GEFRAGT HABE, WISST IHR DIE ANTWORT. AUS EUEREN VORWEGGENOMMENEN ANTWORTEN FORMT IHR EUER KNETIGES WELTBILD, WEICH WIE BUTTER, ABSOLUT! EUER FELS IN DER BRANDUNG MÖCHT ICH NICHT SEIN! NICHT WILL ICH STANDHAFT VERRECKEN, NUR WEIL IHR WAS AM STECKEN HABT, FÜR DAS IHR NICHT AUFKOMMEN WOLLT. UND IHR, GERADE IHR, WOLLT MICH ZUR VERANTWORTUNG ERMAHNEN? DAS IST DOCH WIE HOHN, DER BLANK IN TIEFEN HÖHLEN WOHNT! Mit diesen treffenden Worten verabschiedete Schmitz sich von seiner illusionierten Aussenwelt und trat schweigend in den virtuellen Raum zurück.
Lieber Leser! Heute bleibt der Adventskalender wegen einer salmonösen Durchfallerkrankung des Autors geschlossen. Das Anschlußkabel der Tastatur reicht leider nicht bis zur Toilette, und für Cordless reichts Geld wieder nicht. Es fehlt ihm an allen Ecken und Enden. So schreibt er denn derweil die heimische Gebetstrommel voll, sofern ihm das in seinem derzeitigen Zustand möglich ist. Bis morschen denn! Zum Trost, ein Gedicht: Deutschland, ein Weihnachtsbaum Ganz Deutschland ist ein Weihnachtsbaum die vielen Lichtlein an der Kette sie sind von ihrer Rolle los und Engel-weicher Federflaum steckt in so mancher Unterhos. Denn draußen ist es bitterkalt der Eiswind köpft die Bettler und drinnen in dem Wienerwald da wird kein Schnitzel alt. Das schwarze Geld muß auf die Strasse noch bevor der Euro kommt da frisst man lieber bis zum Kotzen als das man Ärmere belohnt. Wofür, wofür?, fragt Doktor Blösel scharf warum sollt ich mein Geld verschenken? der Bettler ist halt nur zu blöd sein Geld am Staat vorbeizulenken. Drum wird er auch nicht reich und geht im Teich. Herr Ober! Einmal die Weinbergschnecken nochmal bitte! und dann das grosse Menue für acht Personen zum Mitnehmen! und vergessen Sie um Himmelswillen nicht den Kasten Champus zum Höchstpreis! Packen Sie uns auch bitte ihre Theke ein. Da läßt sich nach der Währungsreform vielleicht noch (äh, wieder) Bargeld draus machen. Schönen Abend noch!
Das bin ich. Nicht Schmitz bin ich, nicht Weihnachtsmann. Ich bin wie du. Ich bin der Autor dieser Zeilen. Ich hoffe, dass auf Grund dieser plötzlichen Ernüchterung, niemand in die Ernüchterungszelle muss. Ich bin, weißgott, nicht fotogen. Seis drum... Ich habe euch um vier Törchen betrogen. Ich habe Kinderhoffnungen zerstört. Ich habe beschissene Windeln gewaschen und Schnuller geputzt, und einmal, da habe ich sogar geweint. Ich hatte halt keine Zeit, die Törchen aufzufüllen. Das zieht enorm an den Drüsen. Das kann aber niemals Entschuldigung sein! Bei Gott!, es fiele nur Asche dort heraus! So wahr ich hier stehe! Wie ich mich auch biege und breche! Aus mir kam nur heiße Luft! Den Kindern habe ich verboten, diese Törchen zu öffnen, weil ich genau wußte, das nichts drin war. Die Kinder waren nicht erbost, eher ich war es doch in meiner Not, nicht geben zu können. Ich wurde Vorgaukler, Lügner vor dem Herrn, reuiger Christ, suhlend im Mist der Gerüste. Ich wurde stark, verbrannte mehrfach bei lebendigem Leibe und schrie: So ists recht! Ich bin der ehrlichste Lügner der Welt. Nichts zu verbergen ist schwer. Das macht die Kinder nur neugierig auf schwarze Löcher im Universum und, ablenkend, auf Nutella. Schon denken sie, ein Jeder hätte etwas zu verbergen und daraus werden dann Berge oder Törchen, in denen NICHTS ist, von denen man sich allerdings alles erhofft. LIEBE, was für ein Wort! Scheidung ist weit vor der Liebe, sie kann gar nicht sein. Das gibt dann die bohrenden Säbel im Kopf, von denen keiner etwas wissen möchte. Wenn ich für mich so weiterdenke, dann kann ich aus meiner Erfahrung heraus nur schlußfolgern, daß es die Sekunde NULL ist, nach der wir alle irgendwie krampfhaft suchen. Mein Gott, jetzt kehr ich hier noch den Philosophen heraus. Ja ja, meinetwegen. An mir soll wenigstens Weihnachten nicht scheitern. Die Welt ist ein alberner Gott, dens zu verteidigen gilt, obwohl wir ihn nicht mögen. Wie gut, dass ich in der Schule nicht aufgepasst habe, sondern hingeschaut. Das trennt mich seit jeher vom Durchschnitt. Ich muss wohl mehrfach durchschnitten sein. Back |