DER NOBELPREISIch war Physiker an der Universität Heidelberg und hatte eine Entdeckung gemacht. Ich war für den Nobelpreis nominiert und rasierte mich in größter Erwartung der mir bevorstehenden Verleihung mittlerweile wöchentlich. Auch badete ich bisweilen einmal pro Quartal, denn schließlich wollte ich den Preis so sauber als möglich entgegennehmen. Ich beschäftigte mich mit biochemischen Prozessen im Selbstversuch, die den Menschen von der schwere seiner Kraft befreiten. Kurzum, - ich hatte den fliegenden Menschen erfunden. An erste Flugversuche während meiner Kindheit, die allerdings oft einen Absturz zur Folge hatten, erinnerte ich mich oft, und zu gerne genug, als daß ich sie aus meinem Leben verdrängen konnte. So entwickelte sich aus dem streng geführten landwirtschaftlichen Betrieb meines Vaters, den man seit Urzeiten nicht aufzugeben wagte, binnen kürzester Zeit, das Zentrum zur Erforschung der Schwerelosigkeit bei lebendigem Leibe. Wir arbeiteten eng mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zusammen, ein Umstand, der zusätzlich Halt gab. Einschlägige Referenzen in bekannten Blättern, wie, DER SPIEGEL, FOCUS, oder PRALINE, spiegelten nachhaltig die große Bedeutung dieses Projektes wieder, dem kaum ein Mensch, gleich welcher geistigen Klasse, entrinnen konnte. In "BILD DER FRAU", verewigte man mich gar als den erotischsten Wissenschaftler Europas, da man Spitz davon bekommen hatte, daß ich es nicht nur mit einer Frau trieb. Auf den Nobelpreis warte ich allerdings noch heute. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |