NOTWEHR


Notwehr

Gestern haben sie den Frank Pröll erschossen. Alle sagen, es sei Notwehr gewesen. Das kam so:
Pröll saß, wie so oft, bettelnd im Foyer der Hauptkasse neben dem Geldautomaten. Als Frau Bezirksgerichtsrätin Gundula Dunse diese betrat, schlug Prölls Hund, irritiert durch Dunses Tigerkleid scharf an. Pröll, der in Folge eines Alkoholdelirs nicht rechtzeitig erwachte, sah sich außer Stande, das blutrünstige Tier durch Anwendung der Schwerkraft (Körpergewicht) zurückzuhalten. Bulli, so hieß dieses Kalb-ähnliche Fiech, gelang es mühelos, Pröll wie einen Schlitten quer durchs Foyer zu ziehen und ging der Dunse hernach schwer an die Gurgel. Wäre Bulli nicht angeleint gewesen, dann hätte er es gewiss leichter gehabt, der Dunse den Garaus zu machen.
Als die zahlreich anwesende Kundschaft realisierte, was hier geschah, rieb sie sich entsetzt die Hände. Da fiel von irgendwoher plötzlich ein Schuß. Ein Querschläger, der eigentlich den Hund hätte treffen sollen, traf Pröll nun mitten ins Herz. Ein Kind sagte: PAPA, WARUM ERSCHIESST DU NICHT DEN HUND?
Dafür bekam es eine Ohrfeige, daß es sich, im Papierkorb kraulend, zwischen zerrissenen Kontoauszügen wiederfand. Der Sparkassendirektor verriegelte aus Sicherheitsgründen sofort den Haupteingang und Bulli bekam ein Zuckerklümpchen extra.


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