DER PAPAGEI
Die antike Standuhr schlug zwölf. Der Papagei auf der Stange wiederholte ihr Lärmen derart perfekt, daß man hätte schwören können, ein digitales Aufnahmegerät von höchst eigenwilligem Design vor Augen zu haben. Da das Tier den jeweils gehörten Stundenschlag der Uhr bis zum Schlag der nächsten Stunde aber minütlich schrill, ja überdeutlich preisgab, sah ich mich auf Grund beginnenden Wahnsinns, sowie in Ermangelung einer Gebrauchsanweisung für das Tier, die ich bald zwingend vermißte, genötigt, ihm den Schnabel zu stopfen. Dies tat ich mit großer Hingabe und äußerster Sorgfalt, - schließlich war dieser komische Vogel ja nur ein Pflegekind von meinem Onkel Karl-Heinz, der mir, was die Instandhaltung seines geliebten Schreihalses betraf, vollstes Vertrauen schenkte. Der Onkel hatte sich wie so oft erfolgreich im Kühlcontainer einer schluderigen Lebensmittelkette, als Schlachtvieh getarnt, unerkannt auf die Fidschi-Inseln abgesetzt. Während ich eher mühsam um "das Wohl", meine Ruhe also bemüht war, pflückte Onkel Karl-Heinz nun die Mandarinen seiner nunmehr zwölf Jahre alten brünetten "Fidschi-Favoritin". Spaß muß eben sein. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |