PARIS
Ich war einmal in Paris. Auf der international bekannten wie beliebten
Schäselong de Trottoir machte ich Bekanntschaft mit einem hübschen
Mädel Namens »Isabelle Or deuvre de la consistance«, die sich später, was
auch schon der Name schön erkennen ließ, als Geschöpf von allerhöchstem
französischen Landadel entpuppte. Sie offenbarte mir in einem drei
stündigen Monolog die ganze Herrlichkeit des des hohen Fürstenlebens.
- Jetzt stellt Euch vor!, - diese Leute feierten jeden Abend ein Fest!,
sie bräuchten nur zu schnalzen, - schon käme ein Butler geflogen!
Verlangten sie gar nach einer seltenen Termitenart, in Butter geröstet,
so würde ihnen selbst dieser Wunsch alsbald erfüllt. Ha, ha!
Das wollte ich auch haben, sofort!
Ich betäubte die Frau mit Äther, und schleifte sie zum Standesamt. Als
sie aus der Narkose erwachte, war das erste Kind längst gezeugt. Jetzt
KONNTE sie nicht mehr nein sagen.
Die Sache ging leider nicht ganz auf. Isabelle Or deuvre de la
consistance hieß jetzt Stump mit Nachnamen. Ich hatte dem Standesbeamten
vorgeschrieben, meinen Nachnamen im Trauschein als Familienname einzutragen,
- ich Idiot. Die Or deuvre de la consistances bedachten sie mit den
gräßlichsten Schmähungen und stießen sie zu meinem großen Unglück aus ihrem
Adelshause aus. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich war zur Zeit
Arbeitslos und wohnungssuchend, arm wie eine Kirchenmaus also. Jetzt hatte
ich auch noch eine Frau in guter Hoffnung, die ich nicht mal liebte am
Hals. In kurzer Zeit würde ein kleiner Bengel das Licht der Welt erblicken,
der mir die letzten erbettelten Pfennige aus der Tasche zöge. Das waren
ja ausgezeichnete Voraussetzungen für eine steile Karriere. Ach, hätte
ich beim Standesamt doch aufgepaßt! Die falsche Wahl des
Familiennamens hatte alles vermasselt. Stump, ha!, wie kann man nur Stump heißen.
Ein nichtswürdiger Name, eine Farce aus fünf Buchstaben. Ich begann,
meinen Namen mehr und mehr zu hassen.
Ich mußte hier raus,- aber wie? Ich war zu feige sie zu ermorden, und das
Geld für einen Killer konnte ich nicht auftreiben. Also blieb mir nur die
Flucht. Das war aber schwer, besonders, weil Isabelle mir Tag und Nacht
weinend am Hals hing. Seit sie vogelfrei war, wich sie mir keinen Schritt
mehr von der Seite. Sie vermißte die allabendlichen Feste am Hofe;
besonders den Alkohol, der dort in rauhen Mengen verzehrt wurde. Manchmal
erfaßte mich ihr starrer, kalter Blick, der nach Hilfe ersuchte. Ich
bekam jedesmal ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich in diese Augen
schaute. Das hemmte die Gedanken an Flucht ungemein. Wie denn entkommen?
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