PHILOSOPHIE
Fotografie von Matthias von Schramm, Hamburg © by Matthias von Schramm 1999 Während mich die "Existentiellen" vor Jahren noch geschockt haben mit ihrer vermeintlichen Wahrheit, und weil ich es nicht mehr nötig habe, mir aus deren Scheinheiten ängstlich Klarheit für mein eigenes Leben zu verschaffen, weil ja mein eigener Blick schon tief einwärts genug geht, wobei Philosophen wie Kant, Nietzsche oder Heidegger durchaus schon in der Lage waren, ihr persönliches (Kinder)-Schicksal so geschickt als nur eben möglich vor sich selbst zu verschleiern, indem sie es auf diese Welt projezierten und grandios beschrieben, was ja vorzüglich passte, da dieses Schicksal den meisten Kindern dieser Gesellschaft vorbehalten war und was bis heute noch oft seine Gültigkeit hat, arbeite ich lieber an meiner eigenen Sache. Geboren, gelebt, gestorben, woran, oder nicht? Philosophie geht der Sache nie wirklich auf den Grund. Soll sie daß?, ja will sie das überhaupt? Wollten die Philosophen das? Wollen wir das überhaupt? Willst du das, der das jetzt liest? Jeder Mensch hat doch seine eigene Wahrheit, die es zu entdecken gilt. (Wer bin ich denn eigentlich, daß ich von mir behaupten könnte, ich wäre so einer von dieser "regelnden" Existenz, gerade ich muß das von mir sagen!) Die Antwort heißt eindeutig: NEIN! Wir wollen sie zwar die Wahrheit, aber gleichzeitig verlangen wir nach einem Gleichnis weil wir den Schmerz unserer persönlichen Wahrheit nicht ertragen können, der uns zu Wissenschaftlern des Geistes gemacht hat, zu fiktiven Forschern der Seele, zu Märchenerzählern wie sie im Buche stehen. - (ich hätte fast gesagt: zum Heiligen in seinem geistigen Gefängnis). Darum ist das Verlangen nach der Philosophie bei den Menschen auch oft sehr groß. Philosophie, die "existentielle", schwelgt sehr gerne in ihren zwei so dominanten Maximen von Macht und Ohnmacht, ohne je die wirklichen Ursachen zu berühren. Die schrecklichsten Bilder von Gewalt und Zerstörung verblassen im Angesicht dessen, was wir selbst erlebten, und deswegen verblassen diese Bilder auch in uns, und deswegen brauchen wir diese schrecklichen Bilder der Gegenwart, als wollten wir sagen: Seht her, das ist uns geschehen, aber Gott sei dank, ist es Anderen geschehen und deswegen lassen wir wieder geschehen, was uns einst geschehen ist und freuen uns sogar mitunter über unsere erkenntnisreiche Logik. Wo kommt denn die Macht her, die uns in diese Ohnmacht trieb? Anstatt sich zunächst selbst nach den Ursprüngen seiner eigenen Ohnmacht zu befragen, läßt man, wie gesagt, lieber Andere unter seinem emotionalen Druck leiden. Die Ursache "wirkt", sozusagen. Schön zu realisieren, daß diese vermeintlichen Freunde eben genau in dieses Bild passen. Schreit man sie an, dann spuren sie gleich aufs Wort, und kommt man ihnen entgegen, dann kriechen sie einem sofort unreflektiert in den Arsch. Das hilft natürlich, zu überstehen, und kann mitunter zu dem falschen Schluß führen, etwas für seinen Mitmenschen getan zu haben, vorausgesetzt man ist Pädagoge durch und durch, gewaschen mit den Wassern der Unsterblichkeit, eine Tatsache, die seit Urzeiten, auch oft wegen des Nebels zwischen Bremen und Hamburg noch lange ihre Gültigkeit haben dürfte. Natürlich will ich nichts verschleiern, - alles ist so wie es war. Die Dinge geschehen wie sie angeblich nicht geschahen. Beschönigung macht blind. Sehen tötet, aber, das meint man nur. Ich bemühe mich redlich, mich zu erinnern, wobei mir oft schwarz vor Augen wird, aber auch das sagt man halt nur so. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |