DAS PICKELPROBLEMDie Schwalbacher sind entsetzt, denn eine Pickelplage geht um in der Stadt. Angefangen hatte es vor drei Jahren, - einem jungen Schwalbacher wuchs ein langer Pickel aus der Nase,- ein gesundheitliches »faut pas« , das einen Artztbesuch unumgänglich machte. Kaum aber hatte er dem Arzt die Hand gegeben, da wuchs auch diesem in rasender Geschwindigkeit ein langer, sehr langer Pickel aus der Nase, der binnen Minuten den Fußboden erreicht hatte, - ein tiefrotes, behaartes »Etwas«. Eine neuartige Zivilisationskrankheit kündigte sich zart an. Es dauerte natürlich nicht lange, bis ganz Schwalbach angesteckt war. Den Frauen wuchsen die Pickel allerdings aus dem rechten Ohr. Die weiblichen Pickel waren allerdings etwas zarter vom Profil, und endeten spiralförmig. Die Ärzte waren ratlos. Die Pickel wurden in der Regel etwa vierzig bis fünfzig Zentimeter lang. Man konnte sie aufrollen, knicken oder beliebig verbiegen. Sie verharrten konsequent in der Stellung, in die man sie gerade gebracht hatte. Komisch, die Pickel verursachten auch keinerlei Schmerzen. Das Leben wurde zunächst in keinster Weise beeinträchtigt. Weil die Ärzte und Proffessoren nun auf die Schnelle keine Lösung des Problems fanden, rieten sie den verunsicherten Schwalbachern, die Pickel einfach in die Krägen ihrer Hemden zu stecken. Dieser Ratschlag fand allgemein Beachtung, zumal und besonders er auch in der lokalen Presse verbreitet wurde. In Amselbach, einem benachbarten, idyllischen Dörfchen wunderte man sich bei spielsweise über die mächtigen Krägen, die man in Schwalbach trug. Die "Schwalbacher Nachrichten" wurden hier grundsätzlich nicht gelesen. Professor Doktor Schleim, der geniale Erfinder desselben, erhielt einige hohe Auszeichnungen der Weltgesundheitsorganisation. Die Jahre vergingen... man dachte schon gar nicht mehr an das Pickelproblem, als unvermittelt ein völlig neues, ernsthaftes Problem auftrat, eine äußerst unangenehme Komplikation war nun präsent ... die männlichen Pickel piepsten beim Ausatmen durch die Nase. Das war entsätzlich anzuhören, es war grausam. Die Ärzte waren auch hier völlig ratlos. Professor Doktor Schleim begann bald ernsthaft vom »Flötensyndrom« zu sprechen. Pfarrer Fromm verglich die Situation mit dem Turmbau zu Babel, da eine artgerechte Unterhaltung so nicht mehr möglich war. Der Musiklehrer, Andreas Moll, meinte, man müsse aus dem Schlechten das Beste machen und gründete aus Solidarität einen Naturflötenchor. Der Ort Schwalbach wurde fortan gemieden und hermetisch abgeriegelt. Als die Schwalbacher davon erfuhren, rotteten sie sich zusammen. Man stimmte ein entsätzliches Piepsen an, das einige marode Häuser ein stürzen ließ. Die Wolken am Himmel verloren vor Schreck ihr Wasser. Bald war das ganze Land überschwemmt. Die Ernte wurde mit einem Schlag vernichtet. Der Ort Schwalbach wurde fortan nicht mehr gemieden. Man fand viele offene Ohren und Nasen. Was die Schwalbacher auch immer verlangten oder beantragten, -ihren Wünschen wurde in vollem Umfang entsprochen. Nur Freunde fand man nicht. |