POSEIDONEine Geschichte von SCHORSCH Als am Morgen des achten August der Wecker klingelt, ist auf der klapperigen Raumstation POSEIDON 12 alles im Lot. Während der Hauptrechner lautstark die Messergebnisse diverser physikalischer Experimente zielgenau auf seine gigantische Festplatte hämmert, schwebt die Besatzung allmählich am Frühstückstisch ein. Sergej Washington, das Produkt einer konstruktiven Erforschung der völkerverständigen Schwerelosigkeit wurde auf natürliche Weise während eines kurzen Damenbesuches im All gezeugt, schließlich geboren und lebt seither, zumindest in physikalischer Hinsicht, ein unbeschwertes Leben auf der Poseidon. Robert Brüll ist erst seit zwei Tagen auf dem Schiff, als Gast sozusagen. Brüll hatte sich unten auf der Erde einmal als Gewichtheber versucht, - hier oben hätte er alle Rekorde mühelos gebrochen. Brüll kennt, auf Grund seiner irdischen Beschlagenheit, natürlich den Unterschied zwischen SCHWERE und LOS, und so erkennt er auch, daß ein solcher Wettbewerb im All keinen Sinn macht. Björn Hansen, ein uriger Mensch dänischer Abstammung hat sich, wenn man so will, eher zufällig auf die Poseidon verirrt, - während eines Inlandfluges von Hamburg nach Leipzig hatte sich sein Flieger in der Stratosphäre verhakt und Hansen in eine eliptische Umlaufbahn geschleudert. Nach Jahren ziellosen Umherirrens durch die Weiten des Universums gelangte er schließlich an die Poseidon, deren Besatzung ihn mit Kußhand aufnahm, da man damals händeringend einen Tellerwäscher suchte. Es ist ein schöner Morgen. Während des Frühstücks erlebt die Besatzung drei Sonnenauf- und Untergänge Man ißt hier sehr schnell. Geschwindigkeit ist eben keine Hexerei. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |