DER RESTAURATOR

Auszug aus einem Interview

Wir sind die wahren Meister
alles Grobe ist uns fremd
Wir lieben das Kleine, das Feine
und unsere heilende Hand
verschmilzt mit dem Genius
der Größten dieser Epoche!

(Hans Gerd Lichtenfels, Restaurator, geb. 1912)

Dürers betende Hände, fachmännisch restauriert Was sagten Sie gerade?, - ob mir beim Restaurieren eines berühmten Gemäldes hin und wieder Fehler unterlaufen? Natürlich!, das kommt sogar recht oft vor. Der Mensch ist ja schließlich fehlbar. Selbst große Meister haben Macken. Manchmal entgleitet mir beispielsweise der Pinsel, - das gibt, in jedem Fall unschöne Flecken auf dem Bild. Manchmal fällt man auch von der Leiter und reißt dabei versehentlich den monströsen Picasso mit in die Tiefe. Mir persönlich ist das mal mit einem van Gogh Selbstbildnis passiert, - glatt mitten durchgebrochen, dieser Geniestreich eines kranken Geistes.

Wenn ich damals diese verdammte Armbanduhr nicht getragen hätte, dann wäre dieses, kunstgeschichtlich gesehen, tragische Malheur nicht passiert, - ich wollte nur wissen, wie lange ich noch auf der Leiter herumzustehen hatte und schwenkte meinen Arm, leider Gottes, allzu galant herum, - tja, da hat sich das Armband eben an einer dieser spitzen Bilderrahmenecken verhakt. So kann es kommen, so kann es kommen keiner steckt drin, wir alle sind nur unvollkommene Geschöpfe.

Ganz anders die Sache mit Dürers "BETENDEN HÄNDEN". Hier machte ein verschütteter Farbtopf dem ästhetischen Genuß ein rasches Ende. Nur die Fingerkuppen und der Dreck unter den Nägeln sind erhalten geblieben. Die versauten Partien des Bildes erinnern jetzt ehr an einen waschechten "POLLOCK", - ein tragischer Anblick. Verständlich auch, daß nur wenige mir bisher verziehen haben....



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