STANDPUNKT
Fotografie von Matthias von Schramm, Hamburg © by Matthias von Schramm 1999 Sie stehen hier richtig, geradezu am rechten Fleck. So will ich sie haben. Sehen und gesehen werden! Nein nein, Sie selbst müssen nicht sehen, Sie müssen nur gesehen werden, - sagte ich doch. Und jetzt den Hintern bitte raus, schööön raus. So werden Sie den Wert dieser Welt nur noch ein wenig mehr steigern, dessen bin ich mir sicher. Sie werden noch auf Loorbeerkränzen Harfe schwingend durch den Kosmos schweben wenn diese Erde sich längst nicht mehr dreht. Sie werden selbst noch lachen, wenn es eigentlich gar nichts mehr zu lachen gibt. Eine unermeßlich schadhafte Zeit wird Sie durchs Leben führen. Die irdische Pest wird Ihr ständiger begleiter sein. Diese Zeit ist ihnen nur allzusehr bekannt, - diese Zeit wussten Sie, zu schätzen. Diese Zeit durften sie leider nicht hassen! Rauchendes Feuer! Das sind die Flammen von Betlehem. Melchior, ein Urahne von Alfred Nobel, verstreute freizügig Dynamit über die Felder. Baltasar, der Verführer meiner Tante, ein Casanova wie er in Büchern nicht besser beschrieben ist, tanzt heute noch um diesen Haufen glühender Gebeine. Kaspar Hauser, so hieß der dritte im Bunde dieser verwelkten Petersilie. Einäugig, ein bischen diebisch und zwanghaft aufs Dienen fixiert, sah, erschrak und begann alsbald ängstlich mit der Niederschrift der Bibel. Er mußte, beispielsweise, hilflos zusehen, wie der Vater die Mutter erschlug, obwohl das Paradies sehr nah war, während die Äpfel an besagtem Baume, warum auch immer, verfaulten. Ich habe gesehen, wie man abertausende von Geschwüren übersääte leblose Körper in Schubkarren lud und unter dem Geschrei fiktiver Erlösung euphorisch ins Feuer warf, wo sie erbärmlich stinkend verbrannten bis, wie üblich, nur noch Asche von ihnen übrig war. Sie haben sich an mich verloren weil ich mich an Sie verloren habe. Sie sind zu schön, als daß mir Ihr Blick noch entgehen könnte. Es wird eine Art Krampf sein, der Ihnen, im Bewußtwerden einer schrecklichen Wahrheit fast den Hals umdreht. Sieh diese Amsel, dieses Vieh im bunten Federkleid! Höre wie sie pochend ihr Nest in den Baum klopft. Nur Buntspechte könnten das besser. Das wissen Sie, das müßte ihnen doch eigentlich klar sein. Kopf hoch!, So ists gut. Vielleicht noch ein wenig zur Seite neigen. Halt!, nicht mehr bewegen! Was machen Sie denn da! Habe ich gesagt, daß Sie weinen sollen? Warum bist du nur so schwach, kleines Mädchen? Aus welchem Grunde zwingst du mich dazu, stark sein zu müssen? Bitte!, verschonen Sie mich damit. So stark kann kein Mensch sein! Ich weiß ja nicht mal, was Schwäche ist! Herrgott! Ich brauche Ihren Körper, diese ganz nahe Wärme, und nicht Ihre schrecklichen Gefühle! Die Welt braucht Sie und Ihr Nicht Sie braucht diese Welt. "Was kümmerts mich?", pfeift der Spatz vom Baum, während er vom einen Bein aufs andere hüpft. Vergnügt wie Spatzen nun mal sind, schreibt dieser unscheinbare Vogel bald wirre Kreise in die Luft, deren Analyse selbst führenden Wissenschaftlern bis heute nicht gelungen ist. - ich seh noch, wie sie ihre Hälse gen Himmel recken, wie sie sich gegenseitig zunicken, als seien sie sich einig und wie sie beim Anblick des Vogels erblinden Das macht Sie, wie mich allerdings irgendwie einsam, - das trennt dann doch irgendwie ein bischen, zumal die Wissenschaft in ihrer zwingenden Gesetzmäßigkeit alles unbedingt auf den Punkt bringen muß. DieSeelenforschung hinkt dahingegen oft hinterher . Fettgewebe, wenn es in Form von weiblicher Brust offen zur Schau gestellt wird, war früher oft ein Stein des Anstoßes. In der heutigen, ungleich freieren Zeit, konsumiert man es ungeniert selbst als "Pommes Frittes". (zumindest die Bedeutung scheint, wenn nicht gleich, so doch zumindest ähnlich) Um es vorweg zu sagen:. Es schmeckt beides, ein Jedes auf seine urspezifische Art. Ich will Sie ganz! Nie kann ich genug von Ihnen bekommen. Nie reicht es mir aus, immer will ich sie ganz alleine nur für mich haben, und immer bete ich darum, daß es so kommen möge, wobei ich mich frage: Was ist das, LIEBE?, -wenn sie doch so quält?, -wenn ich Ihren Launen doch so hoffnungslos ausgeliefert bin? Nach dem letzten Kuß kommt es mir nicht mal mehr vor, als hätte ich den ersten je erlebt, obwohl ich ihn, zweifelsohne, hatte. Sie zerschmilzen in meinen Armen wie der Käse in einem gärenden Pizzaofen unmittelbar vor dem Servieren. Das Lied: AMORE MIO, eines italienischen Schlagerstars, rührt mich zu Tränen, - passen Sie auf! Mein Kopf sinkt in Ihren Schoß! Mein Film handelt schließlich nicht vom Trost sondern vom Ende des Trostes. Mein Film handelt auch nicht vom Geschmack, sondern vom Ende des Geschmacks... Aufheller gibt es eh genug. Von mir können Sie also keinesfalls erwarten, daß ich Sie tröste. Warum sollte ich das auch? Ich könnte das auch gar nicht. Wie sollte ich das auch können! Wollen Sie mir helfen, es zu können? Sie gehören schließlich mir. Wie eine Wand stehe ich vor Ihnen, eisern, hart und unnachgiebig und immer bestrebt, all ihre Wünsche zu erfüllen, die ich erst mühsam erahnen muß. Warum sollte ich auch das noch?! Warum muß ich das!? Warum kann ich nicht anders? Aus welchem Grund habe ich das tun müssen, seit ich denken kann? Ihre Schwäche neigt eher dazu, mich zu erdrosseln, als mich zu erheitern. Das habe ich Ihnen übrigerns gerne gesagt. - ehrlich! Oft habe ich auch gelacht, als Sie ihre Hände sanft, wie ein Tiger auf der Jagd es täte, um meinen Hals legten, als sie ihr Leben aus dem meinen saugten, das noch gar nicht wach war, das allerdings nur scheinbar schlief, dessen Aufmerksamkeit jedoch weit über die Ihre ging, und schwieg. Ich wurde feige und falsch. Ist sie das vielleicht, die so erstrebenswerte Selbstlosigkeit, die man heute an mir so schätzt? Klar, das selbst ist los, irgendwo muß es ja schließlich hin. Verschieben wir nicht das Wesentliche auf das Unwesentliche, nur darum, weil es uns dann nicht mehr wesentlich zu erscheinen braucht? Haben Sie nicht auch diese Wand von Gestern noch hoch in Ihrem Zimmer stehen und wissen nicht wohin damit? Wer ist heute wieder gestorben!, - so schnalzt morgens um Sieben ein hageres Stimmlein durchs Stehcafe bei Irene, in dem ich in letzter Zeit des öfteren hocke. Jeder Morgen ist gleichzeitig auch der Beginn eines neuen Tages, und jeder Morgen ist wieder schön, und jeder Tag ist wieder neu, solange man seinen Namen dort nicht lesen kann, denn dann bestätigte sich ja das, was man immer schon vermutet hatte. Ich spreche hier von den wichtigsten Seiten einer jeden lokalen Zeitung: Gekämpft, gehofft, und doch verloren! Geknickt, gebeutelt, von deinen Mitmenschen stets verachtet, schieds du aus dem Leben. Wir sind so froh! Den Hammer immer lustig-oft geschwungen Die Pflicht, die hast du nur umsungen Ach du schöner Wandersmann Sag mir, warum ich nicht trauern kann! Wir sind untröstlich! Hallo Heidi! Zu deinem Geburtstag wünschen wir dir alles Gute! Tante Mia, Onkel Hans und Floh, der Wellensittich. Einsamkeit ist etwas Schönes. Wer nie einsam war mit all seinen Gefühlen und Gedanken, wird meinen Äußerungen wohl nur mit einem verhaltenen Kopfschütteln begegnen können. Wer hingegen diese Einsamkeit kennt, die ja eigentlich eine Einsamkeit von seinen Gefühlen ist, der weiß, wovon ich rede. "Klar", wird man vielleicht sagen, "wir verstehen dich. Kopf hoch!" Andere werden zu behaupten wissen, ich sei ein armer Kerl, ein Sonderling vielleicht, aber keiner wird es wagen, mich wirklich darauf anzusprechen. Denn wenn er es je unbefangen täte, dann würde er erschauern müssen, vor einer Brutalität, die weit jenseits des Erfassbaren wäre, dann würde auch er lügen müssen, erklären, beschwichtigen oder belehren, nur um diesen Schmerz nicht auch noch zu erleben. Spekulierer sind das, - Pädagogen der neurotischen Schule, denen das Geschwätz über eine vermeintliche Moral zum unabdingbaren Gesetz geworden ist! Jeder braucht einen Feind, um sich abzugrenzen, nur weil er nicht sieht, daß er selbst schon ist! Die Bauern von Neuschwanstein werden noch mit Hacken und Schüppen wild auf sich einschlagen, wenn keiner von ihnen mehr lebt! Wem kann es von Nutzen sein, wenn sich alle nur erschlagen, und keiner fragt, warum daß so ist? Es ist einfach nur schade, daß ich mich so sehr mit den Folgen der Ursache auseinandersetze, gerade weil mich die Ursache verfolgt. Ich hätte bestimmt ein Schriftsteller werden können, der frei über sein Leben schreibt, aber, ich bin einer geworden, der "treudoof" selbst noch den Mechanismus der Unfreiheit zu beschreiben versucht, - gerade so, als ob man sie mit Formeln berechnen könnte. Wer die Lösung hat, ist frei! zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |