DER BEGEHBARE KLEIDERSCHRANK



Kleiderschränke sind oft zu klein. Man glaubt ja gar nicht, was sich mit den Jahren so alles an Kleidungsstücken dort einfindet. Mäntel, Jacken, Hosen für jeden Zweck, und derer gibt es viele. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, - die Jahreszeiten tun ihr Übriges, den Schrank förmlich zu überfüllen, so daß er schnell zum Paradies für Motten und andere Textilernährer wird, deren Lebensraum sich durch diese permanente Überfüllung aber mitunter arg einschränkt. An Nahrung mangelt es also nicht.

Aus diesen und anderen Gründen entschloß ich mich schließlich zum Kauf eines begehbaren Kleiderschrankes, was immer das auch sein mochte, - aber das sollte ich ja noch erfahren.

Am achten November betraten zwei wuchtige Monteure meine Wohnung. Die Männer waren still. Sie sagten kein Wort, - der eine konnte den anderen wohl nicht riechen.

Der etwas wuchtigere von beiden entpuppte sich schnell als großer Meister seines Faches, - bestrafen war sein Beruf.

Die Möbel baute er sozusagen nebenbei auf: Mal eben den einen Schrank von A nach B transportieren, mal eben einen flotten Küchenumbau organisieren.

Der etwas unwuchtigere Monteur machte eher den Eindruck eines Träumers auf mich. Allein von seiner Statur her schien er schon nicht für die Montage von schweren Möbeln geeignet.

Während er seine Lustlosigkeit offen zur Schau stellte, indem er von sich aus keinen Handschlag tat, sondern nur still und perfekt die groben Befehle seines Kollegen ausführte, und immer in der Hoffnung war, den jeweiligen Arbeitsgang ohne Makel ausgeführt zu haben, schien sich dieser Kollege gerade aus der Lustlosigkeit seines Kollegen regelrecht Lust zu verschaffen, indem er nun alles daransetzte, dessen Lustlosigkeit durch sinnlose Belehrungen noch zu steigern.

Die Möbelfirma war bekannt für gute, saubere Arbeit. Man "schaffte" hier, laut Prospekt, Hand in Hand. Was interessierte mich also die Psyche der Mitarbeiter?

Ich wollte einen begehbaren Kleiderschrank, und den bekam ich ja jetzt.
Sonst nichts.



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