DER LETZTE SCHREI IM WALDE
Mariechen hatte es am Kopf. Manchmal ging sie in den Wald, aß einen Fliegenpilz und sprach hernach geläutert mit den Bäumen. Oh Tanne du, oh du mein Baum! Wie bist du nur so schön gewachsen? Nichts kümmert dich, als das du bist. Kennst Sorgen nicht, noch Nöte. Sie rupfte Brennesseln aus und streifte sie sich sanft durchs Gesicht, das bald darauf von schmerzhaften roten Pusteln übersäät war. Was tust du mir an, du Unkraut, du Abschaum! Ja siehst du denn nicht, was du anrichtest? Wo kämen wir hin, wenn alle so handelten wie du? Dann nahm das Mariechen eine Axt aus ihrer Tasche, hackte solange wild auf das Unkraut ein, bis es wie zwischen gigantischen Mühlsteinen zermalmt, als feiner Staub vor ihr zu Füßen lag. Mariechen vergrub sich auch gerne in Ameisenhaufen. In ihrem Schutz verbrachte sie so manche Nacht. Sie war auf der Suche nach ihrem Elend, doch fand sie es nie. Einmal fand jedoch ein Förster sie morgens beim Rundgang in einem solchen Haufen liegend vor, vielmehr war es dessen Hund, der plötzlich auf etwas Ungewöhnliches passte. Der Förster war sehr erschrocken ob dieses Fundes. Er dachte sofort an eine Leiche und eine mögliche Belohnung, die vielleicht auf sie ausgesetzt war. Er spuckte sich unter dem sabbernden Gewinsel seines treuen Hundes in die Hände und zog das durch Ameisensäure aufgedunsene Mariechen an den Beinen aus dem Haufen. Sie hatte in etwa das Aussehen eines an der Angel hängenden verschlafenen Kugelfisches, dem nichts lieber schien, als daß man ihn in Frieden Ruhen ließe. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |