DIE BESEELUNG DER DINGE
Folgt nun ein Stück vertrackter Literatur, die oft nur schwer am Autor vorbeikommt. Des Lesers Klappen scheuen oft. Ich stelle mich, ist angesagt. Bitte melde dich! Vermisste gibt es immer wieder! Das ist der Herr der Ringe. Der Lauf der Dinge? Folgt nun das Stück (gefolgt selbst von der Überschrift) Auf dem Tisch lag ein Fisch, braun gebrannt, auf einem versilberten Tablett. Violette Servietten verschmückten den Abend. Der Salat wuchs fast natürlich aus der Mitte des Tisches heraus. Begonien für die Gastgeberin, damit man sie versehentlich nicht auch noch verzehrte, wurden durch den Gastgeber anstatt überreicht sofort kompostiert. Gesteifte reinweiße Decken warfen, faltenschwach Konturen. Das lag aber bloß an der beim Waschen benutzten Stärke. Hätte man anstatt Stärke, Schwäche benutzt, dann wäre die Tischdecke an ihren vier Kanten längst ausgeriffelt. Ein Drahtseil - dünner Herr im Grätenmusteranzug, der oben am Kopf doch schon sehr splisste, wollte gerade nach dem Fisch greifen, als ihn von Hinten ein gewaltiger Schlag auf die bis dahin noch unversehrte Schulter traf. Des Mannes Körper wurde so tief in den Fisch hineingetrieben, das dieser nach allen Seiten wegspritzte, um schließlich, als hätte man mit einem Vorschlaghammer eine Tube Lebertran zertrümmert, wie Eiter an den Wänden des festlich geschmückten Speisesaales zu zerrinnen. Damit hatte der Mann natürlich nicht im Geringsten gerechnet. Dennoch erholte er sich recht schnell und schaute in die Richtung, aus welcher der Schlag gekommen war. Seine rechte Schulter hatte es arg erwischt. Das Schlüsselbein lag offen und war in der Mitte glatt durchgebrochen. Er spürte einen stechenden Schmerz. Als er nach links schaute, erblickte er auf seiner intakten Schulter ruhend, eine behaarte zweifingrige Hand, die, da sie ihn vorsichtig aufzurichten versuchte, Linderung versprach. Und als er sich ganz umdrehte, da sah er das zerschnittene Gesicht des Teufels, vor dem es kein Entrinnen gab. Der Teufel war indes sehr freundlich. Das wunderte den Mann zwar sehr, doch mußte er sich mit ihm arrangieren, wollte er überleben. Ließ man dem Teufel die Macht, so blieb er meistens ruhig. Versuchte man, gegen ihn anzubrüllen, dann wurde er schnell zum Tier. Davor hatte man eine solche Angst, daß nicht mal die Idee des Widerspruchs aufkam. Man ließ sich wie ein Blindfisch ausnahmslos denunzieren und fand das ganz normal. Man wollte schließlich auch so lächerlich dastehen wie der Überlegene selbst und versuchte sich so in Überlegenheit, aber das Ergebnis war Krampf, weil man, um zu überstehen, noch überlegener wie der Überlegene hätte gewesen sein müssen. Darauf hatte ich aber keine Lust. Manchmal, da weinte er auch, wenn man, das sich eine Träne abwürgen, überhaupt Weinen nennen kann. In diesen Augenblicken hätte der Mann ihn am Liebsten erschlagen wollen, weil er vage ahnte, daß der Teufel hier im Grunde sein wahres Gesicht zeigte. Die eigentliche Schwäche des Teufels durfte allerdings nie ans Licht kommen und so begann der Mann alsbald, sich zu belügen wie der Teufel es selber auch tat. Ein Umstand, der ihm hier nicht schwerfiel, da er bereitwillig akzeptiert wurde. Das war eine Notwendigkeit, die selbst ihm äußerst suspekt war, zumal sie ihm gar nicht auffiel. Das war im Grunde auch das Ende Seinerselbst, der Anfang einer Facette, die vieles erklären könnte, wenn sie nicht immer zur Literatur zurückführen würde. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |