ENTSETZEN
Das blanke Entsetzen steht mir ins Gesicht geschrieben. Ich kann nicht genau sagen, was die Gründe dafür sind, daß
ich beispielsweise schon von den Regentropfen entsetzt bin, die auf meiner Mütze niedergehen. Ich bin entsetzt von der Flugkunst der Mauersegler, die an meinem Fenster fast unsichtbar als schwacher Strich vorbeihuschen.
Mich schaudert vor jungen Damen in kurzen Röcken. Mit Schreck erfüllen mich vorbeifahrende Lastkraftwagen, deren Fahrwind mir die Mütze vom Kopf reißt.
Ich habe auch Angst vor Menschen, die sich mir plötzlich nähern, um sich dann, wenn sie ganz nah sind, wobei ihre Augen schon kräftig in die meinen schauen, während sie ihren Mund bereits zum erheben eines Wortgebildes weit geöffnet haben, plötzlich abzuwenden,
gerade so, als wollten sie mir etwas wichtiges mitteilen, das wohl von derartiger Wichtigkeit scheint, daß sie es sich in letzter Sekunde noch überlegt haben,
es mir, vielleicht aus Angst vor möglichen Folgen lieber doch nicht zu sagen.Ja, vor diesen Menschen habe ich Angst, lange noch schaue ich ihnen nach, doch immer umsonst. Nicht einer hat es bisher gewagt, umzukehren. Zu der Überzeugung, daß einem so nicht geholfen werden kann, kommt man dann schnell. Vielleicht sollte ich selbst einmal um Hilfe schreien, aber das würde sie nur nochmehr verwirren. Wem kann ich schon in die Augen schauen?!, nun sei bitte mal ehrlich. Und da will ich es wagen, mich dafür zu beschweren, daß man mir aus dem Weg geht? Kann ich wirklich so grausam sein, daß man mich derart schneidet? zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |