ER KAM, SAH UND SIEGTEeine Geschichte über den Landschaftsverband
Auf der Avenue La Rochelle, auf der ich mich sinnlos herumschlendernd befand, kamen mir viele Menschen entgegen, indem
sie meine torkelnden Bewegungen manchmal abfingen, den Stoß, den ich in ihre Rippen tat, entschuldigend abwerteten,
mich manchmal grob verfluchten, als Spinner oder Sonderling abtaten, mir hilfreich zum eigenen Troste ihre leeren Hände
hinhielten, (was sollte ich damit wollen?), indem sie Freund wie Feind gleichzeitig zu sein schienen, ich mich ihnen oft erklären mußte
und lügen, damit sie mir nicht die Haut vom Leibe rissen, wobei ich mir nie sicher war, ob sie tatsächlich so grob sein konnten,
obwohl ich das dem Mann im hochgezogenen Unterhemd niemals zutrauen würde, da mich ja auch gerade dessen Frau in
rührseliger Scheinheiligkeit himmelhochjauchzend, beinahe bewußt falsch, zu einer großen Persönlichkeit
erklärte, die ich niemals sein konnte, denn wenn sie mich gesehen hätte, dann hätte sie mich gesehen.
Die Avenue La Rochelle, wie soll ich sagen, ist eigentlich nur ein Feldweg, von Blumen und wilden Gräsern umsäumt. Ich gehe hier gerne spazieren, ich muß hier spazieren gehen, denn die Mauern der Besserungsanstalt, (ja, ich bin kundiger Kunde hier), sind in etwa so hoch wie die Mauern, die hilflosen Kindern eine Flucht ins Reich der Phantasie erst ermöglicht. Und hier soll ich mich bessern? zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |