SPAZIERGANGMüssten Sie sich einem Außerirdischen erklären, wo er an einem Veilchendienstagmorgen so gegen halb fünf nun gelandet ist, dann würden Sie kaum wagen, zu behaupten, daß es ein Mensch von einem anderen Stern ist, der vor Ihnen an der Kasse der Jet-Tankstelle brav sein Bier bezahlt. Täten Sie das tatsächlich, so würde Sie diese Erfahrung vielleicht lehren, daß selbst Sie ein ganz normaler Bürger dieser Stadt wären. Natürlich lüge ich nicht wenn ich das sage, ich rede ja nicht mal von mir selbst. Genau zu beschreiben, was an den Relikten dieses Rosenmontages Wahrheit oder aber schon Legende ist, vermag nur ein Schriftsteller von internationaler Klasse. Ich jedenfalls fiel, während meines nächtlichen Spazierganges, über viel Erbrochenes, abgerissene Abfalleimer, Luftschlangen, die sich wirr zwischen Häuserfronten wanden, oder stolperte mehr oder weniger über verbeulte Bierdosen, die ein harscher Wind mir ins Gesicht blies. Ein großer Trost, zu sehen, war mir das hellerleuchtete Logo der Deutschen Bank, obwohl ich selbst genug Geld auf dem Konto bei der Konkurenz hatte. (Die Sparkasse lag etwas weiter südlich). Das blaue Quadrat mit seiner bezeichnenden Diagonale gefiel mir an diesem Morgen allerdings wie ausgesprochen. Es reflektierte auch intelligent den Schnee, der zudem in Scharen vom Himmeln fiel. Warum, oder weswegen ich ein Außerirdischer bleiben muß, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Ich betrachte diese Schrift daher eher als einen mißratenen Versuch, meiner Angst Herr zu werden, die allerdings, selbst nach erster, flüchtiger Lektüre schon, nicht mehr in der Lage scheint, die Fiktion von ihrem Wahn zu trennen. Intensiver kann man kaum auf sich schauen. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |