STIMMENManchmal, bevorzugt wenn es draußen schon dämmert, im Winter meist früher als im Sommer, kommt es mir vor, als hörte ich Stimmen. Ich kann nicht genau sagen, woher diese Stimmen kommen. Halte ich mir die Ohren zu, dann werden sie lauter. Schlage ich mir mit der Faust vor den Kopf, werden sie zunächst undeutlich, bevor sie ein irrsiniges Lärmen anstimmen, gerade so, als wollten sie sich bei mir beschweren. Verstehen kann ich diese Stimmen nicht. Es sind auch nicht recht Stimmen, eher sind es Laute, undeffinierbare, mich scheußlich quälende Laute, die mir seit geraumer Zeit das Leben zur Hölle machen. Diese Laute bestimmen mein Leben auf kuriose Weise. Oft tue ich Dinge, die ich, wäre ich noch ich selbst, nie und nimmer getan hätte. Manchmal ertappe ich mich bei der Vorstellung, diese Laute kämen von Außen. So kommt es oft vor, daß ich ahnungslosen Passanten gegenüber von vorneherein recht feindselig eingestellt bin. Mir erscheint es nun so, als ob ich einen Feind besiegen müsste, der mich längst besiegt hat. "Laßt mich doch endlich in Ruhe!", möchte ich dann schreien und schlage mir im selben Atemzug zur Bestrafung am Bordstein den Kopf blutig. Die Sehnsucht bleibt so, notgedrungen, auf der Strecke. Das quält unsäglich. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |