Die vierbeinige Tante


Schnörk



Meine Tante hieß Thea, gebürtig in Neuss.
Wuchs auf, das Teil, vorm Schaufenster des teuersten Schneiders der Stadt.
Thea war oft erkältet, das sagte man ihr zumindest nach wenn ihr der hirnige Schleim aus der Nase quoll, besonders im Winter.
Die Tage waren auch kürzer, die Schatten oft lang. Zum Hinschauen fehlte das Licht wie die Zeit.
Meine Tante war auch sonst sehr bescheiden.
Obwohl Gott selbst sie liebte, verschonte er sie dennoch nicht vor seinem so nötigen Zorn.
Geschenke des Himmels waren rar, besonders zu jener Zeit, von der man heute lieber nicht spricht.
Das hat natürlich seinen Preis. Dort nämlich, wo sich bei Anderen die Arme befanden, war meiner Tante ein zusätzliches Paar Beine gewachsen, quasi als Ersatz für ihre schon vorhandenen zwei.
Anstatt sich darüber zu freuen, etwas Besonderes zu sein, quälte sie sich ab, wie ein flüchten wollender Dackel an der gespannten Leine seines dekadenten Herrn.
Da machten die beiden zusätzlichen Beine schon wieder Sinn.



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